Mehrere Politiker forderten den Rücktritt des ehemaligen Ministers, auch der Chef der sozialistischen Partei, der Lang angehört. "Es ist verstörend, wie er heute über die Affäre spricht", sagte PS-Chef Olivier Faure. Er legte Lang den Rücktritt nahe, "um die Institution zu schützen".
Lang hatte bislang ausgeschlossen, seinen Posten zu räumen. "Einen Mäzen anzufragen, ist doch keine Straftat", hatte der 86-Jährige am Mittwoch betont. Zuvor hatte er eingeräumt, Epstein um rund 58.000 Euro für einen Film über seine Amtszeit gebeten zu haben. Der Film wurde allerdings nicht verwirklicht.
Der Name Jack Lang ist in den veröffentlichten Epstein-Akten mehr als 670 Mal erwähnt. "Ich war vielleicht etwas naiv", räumte Lang ein. Epstein sei "kein Freund" gewesen, er habe "nichts gewusst" und den Kontakt abgebrochen, als er von Epsteins Verurteilung als Sexualstraftäter erfahren habe. Tatsächlich ist Lang noch 2019 an der Seite von Epstein auf einem Foto vor dem Louvre zu sehen.
Nach einem Bericht von "Mediapart" ist Lang auch in den Statuten eines Offshore-Unternehmens zitiert, das Epstein zusammen mit Langs Tochter gegründet hatte, um in junge Künstler zu investieren. Langs Tochter Carolin trat deswegen bereits von ihrem Posten bei einem Verband von Filmproduzenten zurück.
"Mediapart" fand in den neu veröffentlichten Epstein-Akten auch Hinweise darauf, dass Lang sich von Epstein mehrfach Autos mit Chauffeur finanzieren ließ. 2017 soll Lang Epstein zu einer Geburtstagsfeier "im kleinen Kreis" eingeladen haben. Er könne sich daran nicht erinnern, sagte Lang auf Nachfragen von Mediapart. Einen Fahrer habe er sich auch nicht bezahlen lassen, "höchstens Taxis", räumte er ein.
Lang hatte unter den früheren Präsidenten François Mitterrand und Jacques Chirac verschiedene Regierungsposten inne. In den vor einer Woche vom US-Justizministerium veröffentlichten mehr als drei Millionen Dokumenten zum Fall Epstein tauchen die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten auf.
Der bis in höchste Kreise vernetzte Investor und Milliardär Epstein war 2019 tot in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden worden, nach offiziellen Angaben beging der verurteilte Sexualstraftäter Suizid. Ihm wurde vorgeworfen, mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht zu haben.