Obama in Frankreich Verbotene Liebschaft


Das Fest in Berlin ist vorbei, es wartet ein Pflichttermin in Paris: Barack Obama setzt seine Reise fort und macht am Freitag Station in Frankreich. Dort zeigt man sich deutlich reservierter, von Begeisterung fehlt jede Spur. Doch Präsident Nicolas Sarkozy freut sich auf den Gast, wohl auch weil er etwas mit ihm gemeinsam hat.
Von Astrid Mayer, Paris

85 Prozent der Franzosen würden Obama zum amerikanischen Präsidenten wählen, wenn sie dürften - das ist europäischer Rekord. Nicolas Sarkozy hat vor dem Treffen am Freitagnachmittag gönnerhaft verlauten lassen, Obama sei sein Freund. Trotzdem ist Obama nur fünf Stunden lang in Paris, zwischen Frühstück in Berlin und Abendessen in der Downing Street. Dabei hat er sich auch schon bewundernd über Sarkozy geäußert.

Vor allem die französische Linke ist enttäuscht, das Idol einer multikulturellen Gesellschaft nicht treffen zu können - schließlich sind der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe ebenso in einem Unterstützer-Komitee für den Kandidaten Obama wie der frühere Kulturminister Jack Lang. Aber Obama hatte keine Zeit für sie.

"Freedom Fries" sind noch nicht vergessen

"Wäre er überhaupt nach Paris gekommen, wenn Chirac noch Präsident wäre?" fragt das Magazin "Le Nouvel Observateur" - Chirac war der Böse, der George W. Bushs Feldzug gegen den Irak damals nicht unterstützen wollte und sich sogar öffentlich gegen ihn stellte.

Die Franzosen erinnern sich nur zu gut an die darauf folgenden Boykott-Kampagnen gegen französische Produkte und die Umbenennung der "French Fries" (Pommes) in "Freedom Fries". Zwar haben sich die Beziehungen seither entspannt. Aber der französische Anti-Amerikanismus ist legendär und seit Jahrzehnten tief verwurzelt.

Das wissen die Amerikaner, deren Zollbehörde die vergammelten Milchprodukte stets höchst misstrauisch beäugt, die als "Käse" deklariert aus diesem Land kommen. Und die Franzosen wissen, dass sie es wissen. Es wundert sich hierzulande keiner darüber, dass sich Obama gehütet hat, eine Rede vor dem Eiffelturm zu halten: Man weiß, dass Fernsehbilder Obamas vor einer Pariser Kulisse in den USA ihm etliche Wähler vergrätzen würden.

Französische Politik wünscht sich dennoch Obama als Präsidenten

Außer einem Teil der schwarzen Communité - für die wäre Obama als Präsident ein Fanal gegen die Rassendiskriminierung, das auch Frankreich aufrütteln könnte - hält hier keiner Obama für den politischen Messias. Aber eines ist klar: Besser als Bush finden die Franzosen Obama allemal, viel besser, und auch besser als McCain.

Das gilt nicht nur für die, die den Traum einer multikulturellen, multiethnischen Gesellschaft und eines Endes der Rassendiskriminierung träumen und in Obama einen Hoffnungsträger sehen. Auch die konservative, französische Regierung wäre über einen Machtwechsel erleichtert.

"Obama hat eine multilateralere, pro-europäischere Vorstellung von Außenpolitik als sein Gegener MacCain", sagt der Fraktionschef der Regierungspartei UMP, Francois Copé. Sein Partei-Genosse Pierre Lellouche erinnert aber vorsichtshalber daran, dass die amerikanischen Demokraten keine Friedenspartei sind, Kennedy den Vietnam-Krieg angefangen hat und Obama obendrein wirtschaftspolitisch ein Protektionist sei.

Zwei Männer, die sich schätzen

Dennoch stimmt zwischen Sarkozy und Obama die Chemie. Sie kennen sich seit Mai 2007, als Sarkozy, damals noch französischer Innenminister, in die USA gereist war. Sarkozy habe einen neuen, undogmatischen Blick auf die Politik, ließ Obama verlauten, während Sarkozy beteuert, er habe immer an Obama als Präsidentschafts-Kandidaten geglaubt.

Die beiden Männer mögen unterschiedliche politische Positionen haben - es verbindet sie die Tatsache, dass ihre Biographie (schwarz der Eine, Einwandererkind der Andere) sie nicht gerade zu höheren Ämtern prädestinierte.

Außenpolitisch sind die Positionen ohnehin ähnlicher denn je, seit Obama den baldigen Rückzug aus dem Irak und ein intensiveres Engagement in Afghanistan propagiert. "Genau wie wir," sagt da der UMP-Mann Francois Coppé. Obama wird sich hüten, das seinem Wahlvolk zu erzählen.


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