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In Portugal geht nichts mehr: Ratingriese Fitch stuft Kreditwürdigkeit weiter herab

Die Ratingagentur Fitch hat die Bonität Portugals herabgestuft. Zur gleichen Zeit hat ein Generalstreik den öffentlichen Verkehr in Portugal am Donnerstag größtenteils lahmgelegt. Im Land scheint nichts mehr zu gehen.

Ein Generalstreik aus Protest gegen den Sparkurs der Regierung hat den öffentlichen Verkehr in Portugal am Donnerstag größtenteils lahmgelegt. Alles deute auf "eine sehr starke Beteiligung" hin, sagte Manuel Carvalho da Silva, Generalsekretär der Gewerkschaft CGTP. Die Ratingagentur Fitch stufte unterdessen wegen der hohen Schulden und der schlechten Wirtschaftsperspektive die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herab.

Die nationale Fluggesellschaft TAP strich 121 von 140 geplanten Passagierflügen, wie ein Verantwortlicher mitteilte. Es werde lediglich ein Minimalbetrieb aufrechterhalten. In Lissabon fuhr die U-Bahn nicht, und auch die Fähre auf dem Fluss Tejo, welche die beiden Teile der Hauptstadt miteinander verbindet, stellte den Betrieb komplett ein. Zudem kam es im Eisenbahnverkehr zu starken Beeinträchtigungen.

Die Gewerkschaften in Portugal protestieren mit dem Streik gegen das Sparprogramm der Regierung. Das Land hatte im Mai einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 78 Milliarden Euro erhalten und musste im Gegenzug Sparmaßnahmen zusagen. Sowohl die Beamten als auch die Arbeitnehmer in Privatunternehmen wurden nun zu dem Ausstand aufgerufen. Bei den Beamten sollen zwei von 14 Monatsgehältern gestrichen werden, in den Privatunternehmen ist eine halbe Stunde Mehrarbeit pro Tag geplant.

Fitch begründete die Herabstufung Portugals von BBB- auf BB+ sowie die negative Einstufung für die Zukunft mit "dem großen Haushaltsungleichgewicht, dem hohen Grad der Verschuldung in allen Bereichen und ungünstigen makro-ökonomischen Perspektiven". Die Ratingagentur geht 2012 von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Portugal um drei Prozent aus, erwartet aber, dass die Regierung die eigenen Sparvorgaben einhalten kann und die von ihr eingeleiteten strukturellen Reformen das Land langfristig wettbewerbsfähiger machen.

roh/AFP / AFP