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Lafontaine lehnt Kampfkandidatur gegen Bartsch ab

Die Linke sucht auf einem Krisentreffen nach einer Lösung des Führungsstreits.

Die Linke sucht auf einem Krisentreffen nach einer Lösung des Führungsstreits. Vor den Beratungen erklärte der frühere Parteichef Oskar Lafontaine seine grundsätzliche Bereitschaft zur Rückkehr an die Parteispitze, auch sein Gegenspieler Dietmar Bartsch nahm an den Beratungen teil. Bereits vor dem Treffen stritten die Anhänger Lafontaines und die Reformer um Bartsch weiter um die künftige Führung.

Seine Kandidatur für den Parteivorsitz sei an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, sagte Lafontaine. So sei er nicht bereit, sich auf dem Parteitag im kommenden Monat einer Kampfkandidatur um den Vorsitz zu stellen. Eine solche Kampfabstimmung wäre "kein krönender Abschluss meiner Karriere", sagte der 68-Jährige. Er betonte zugleich, dass die Partei nach den jüngsten Wahlniederlagen in einer "schwierigen Situation" sei und sich jetzt ganz auf die 2013 anstehenden Wahlen in Niedersachsen und im Bund konzentrieren müsse.

Damit drängte Lafontaine Bartsch indirekt auf einen Verzicht seiner Kandidatur, was dieser bislang aber abgelehnt hat. Die künftige Parteiführung müsse in der Lage sein, gut zusammenzuarbeiten, sagte Lafontaine, dessen Verhältnis zu Bartsch als belastet gilt. Die beiden Anwärter berieten mit dem geschäftsführende Vorstand und den Landesvorsitzenden in Berlin über die Führungsfrage.

Die Vizepartei- und Fraktionschefin Sahra Wagenknecht kritisierte Lafontaines Gegner scharf. Es würden "haltlose Falschmeldungen lanciert", sagte sie im ZDF-"Morgenmagazin". Sie dementierte ausdrücklich Berichte, denen zufolge ihre Lebensgefährte Lafontaine sie als Fraktionsvorsitzende neben Gregor Gysi durchsetzen wolle. Die neue Führung müsse die Partei wieder nach oben ziehen, dazu bauche es "viel Selbstbewusstsein".

Auch der amtierende Parteichef Klaus Ernst sprach sich für Lafontaine aus. "Die Kapitänsbinde sollte an den erfolgreichsten Spieler gehen", sagte Ernst der "Passauer Neuen Presse". Er machte deutlich, dass eine Kampfkandidatur auf dem Parteitag kein Makel sei. "Das ist Demokratie", sagte Ernst.

"Ich kenne es so, dass Kandidaten Angebote machen, nicht Forderungen stellen", sagte hingegen der Landesvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn Lafontaine kandidieren will, soll er das endlich tun", sagte Bockhahn, der Bartsch unterstützt.

Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow sagte dem RBB-Sender Radio Eins, Lafontaine hätte seine Bereitschaft zur Kandidatur spätestens vor acht Wochen erklären sollen. "Aber zu sagen: Ich komme am Dienstag, höre mir alles an und werde dann entscheiden, ob ich kandidiere - ich finde, das ist kein Umgang miteinander."

"Mit einer Heilsbringerfigur an der Spitze bekommt die Linkspartei nichts geregelt", sagte der Berliner Linken-Landesvorsitzende Klaus Lederer der "Berliner Zeitung". Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) warnte die Linkspartei davor, sich von Lafontaine ein Comeback aufdrängen zu lassen. Lafontaine stelle sich ausgerechnet gegen den "erfolgreichen Flügel" der Partei, sagte Thierse dem Berliner "Tagesspiegel".

Der Führungsstreit bei den Linken hat sich auch wegen der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verschärft, bei der die Partei jeweils mit gut zwei Prozent gescheitert war.

AFP / AFP