MSF erklärte, dass eines ihrer Teams nach seinem Einsatz bei aus Seenot geretteten Migranten Anfang Dezember von drei Briten verbal attackiert worden sei. Die Briten hätten sich als Anhänger der rechtsextremen Gruppe "Raise the Colours" zu erkennen gegeben. Die Gruppe ist seit einiger Zeit auch auf französischer Seite des Ärmelkanals aktiv. Sie ruft unter anderem dazu auf, Überfahrten von Migranten nach Großbritannien zu verhindern.
Einer der Briten habe die Übergriffe auf die MSF-Mitarbeiter gefilmt und im Internet veröffentlicht, erklärte MSF. Dies habe zahlreiche Hasskommentare und Drohungen gegen die Helfer und die Migranten ausgelöst. Dieser Angriff stehe "im Kontext zunehmender Einschüchterungsversuche, fremdenfeindlicher Aktionen und rassistischer Äußerungen, die sich seit mehreren Monaten gegen geflüchtete Menschen und Hilfsorganisationen richten".
Mit der Strafanzeige will MSF "ein klares Signal" an die Mitglieder dieser Gruppe und an die Behörden senden. "Wir werden Einschüchterungen und Drohungen nicht nachgeben", betonte MSF-Einsatzleiterin Camille Niel.
Französische Behörden hatten "Raise the Colours" im Januar eine migrantenfeindliche Protestaktion an der französischen Küste verboten. Zudem hatte das Innenministerium zehn britischen Anhängern der Gruppe die Einreise verweigert.
Nach britischen Angaben haben 2025 knapp 41.500 Migranten den Ärmelkanal in Richtung Großbritannien überquert. Das ist die zweithöchste Zahl nach 2022, als rund 45.800 Menschen auf diese Weise nach Großbritannien kamen. Mindestens 29 Menschen starben im vergangenen Jahr bei versuchten Kanal-Überfahrten. Großbritannien hat seine Einwanderungs- und Asylpolitik unter Premierminister Keir Starmer erheblich verschärft.