"Uns war es wichtig, das Gegenteil von dem zu tun, was alle kennen, und was uns seit 80 Jahren so vertraut geworden ist", erklären Miraphora Mina und Eduardo Lima, die beiden Gründer des Studios MinaLima, das durch seine Harry-Potter-Illustrationen bekannt geworden ist. Der französische Gallimard-Verlag hatte den in London ansässigen Designern freie Hand bei der neuen Bebilderung gegeben.
Anstelle der poetisch anmutenden Zeichnungen mit wenigen Strichen und Pastellfarben treten knallbunte Darstellungen. Der kleine Prinz wird als blonder, sommersprossiger Junge in grasgrüner Hose mit rotem Oberteil und lila Umhang dargestellt. Laut Verlag enthält das Buch "acht interaktive Extras", darunter eine erblühende Rose, einen ausklappbaren Planeten und eine herausnehmbare Krone.
Solche Neufassungen können "dem Text neuen Glanz verleihen", meint der Verlagsleiter Antoine Gallimard. "Der kleine Prinz" ist nach der Bibel das am meisten übersetzte Buch weltweilt. Es wurde bislang in rund 650 Sprachen und Dialekte übersetzt.
Der französische Schriftsteller und Pilot Saint-Exupéry verfasste das poetisch-philosophische Werk 1942 im Exil in New York. Das Buch erschien, als der Autor Saint-Exupéry bereits seit zwei Jahren tot war. Er war 1944 bei einem Aufklärungsflug über dem Mittelmeer ums Leben gekommen. Erst 1998 fand ein Fischer aus Marseille sein Silberarmband, zwei Jahre später konnte das Wrack seines Flugzeugs aus dem Meer geborgen werden.
Bis heute ist "Der kleine Prinz" ein riesiger kommerzieller Erfolg, der Filme, Produkte aller Art, einen Themenpark im Elsass und eine Dauerausstellung in Südkorea umfasst. Es gebe aber keine Lizenz für Projekte, die mit dem Geist des Textes unvereinbar seien, versichert Thomas Rivière, ein Urgroßneffe des Schriftstellers.