Die Klägerin Kaley G. M. warf Instagram und Youtube vor, sie als Minderjährige abhängig gemacht und ihr schwere psychische Schäden zugefügt zu haben. Die Instagram-Mutter Meta soll nun 70 Prozent der Gesamtsumme tragen, also 4,2 Millionen Dollar, die Youtube-Mutter Google weitere 1,8 Millionen Dollar.
Die Geschworenen hielten es in ihrem Grundsatzurteil für erwiesen, dass beide Unternehmen bei Gestaltung und Betrieb ihrer Plattformen fahrlässig handelten. Die Konzerne hätten gewusst oder wissen müssen, dass ihre Dienste eine Gefahr für Minderjährige darstellen und hätten die Nutzer nicht ausreichend vor den Risiken gewarnt, hieß es in der Begründung.
Kaley G. M. hatte bei ihrer Aussage Ende Februar von ihrem Suchtverhalten und dadurch ausgelösten Angstzuständen und Depressionen berichtet. Selbst wenn sie auf Instagram gemobbt worden sei, sei sie auf der App geblieben. "Wenn ich nicht online war, hatte ich einfach das Gefühl, etwas zu verpassen", sagte sie. Nach Angaben ihres Anwalts war Kaley bis zu 16 Stunden pro Tag auf den Plattformen.
Ihr Anwalt Mark Lanier argumentierte vor Gericht, die Internetkonzerne hätten mit Social-Media-Apps "eine Sucht in den Gehirnen von Kindern erzeugt". Ihnen sei es darum gegangen, sie möglichst lange auf den Plattformen zu halten, um die Werbeeinnahmen zu steigern.
Instagram-Chef Adam Mosseri bestritt dagegen ein Suchtpotenzial der App. In dem siebenwöchigen Prozess sagte auch Meta-Chef Zuckerberg aus. Er räumte Probleme bei der Alterskontrolle der Nutzerinnen und Nutzer ein, die nach den Instagram-Regeln mindestens 13 Jahre alt sein sollen.
Meta und Google wollen das Urteil anfechten. Die psychische Gesundheit von Heranwachsenden sei komplex und könne nicht alleine auf eine App zurückgeführt werden, erklärte ein Meta-Sprecher. Google argumentierte, Youtube sei überhaupt kein soziales Netzwerk, sondern eine reine Streaming-Plattform.
Ursprünglich richtete sich das Zivilverfahren auch gegen Tiktok und Snapchat. Beide Plattformen erzielten vorab jedoch außergerichtliche Einigungen.
Der Musterprozess könnte nun den Weg für eine Klagewelle ebnen: Inden USA werfen mehr als tausend Nutzerinnen und Nutzer den Internet-Plattformen vor, sie abhängig gemacht und damit für Depressionen, Essstörungen oder Psychiatrie-Aufenthalte verantwortlich zu sein. In manchen Fällen geht es sogar um Suizid.
So wie bei der Tochter von Lori Schott: Die 64-Jährige aus Colorado brach bei der Urteilsverkündung in Los Angeles in Tränen aus. Ihre Tochter habe sich als Jugendliche das Leben genommen, weil sie sich im Vergleich mit anderen Social-Media-Profilen "hässlich" gefühlt habe, erzählte sie. Das Urteil "werde die Welt sicherer machen", sagte die Landwirtin, die den Prozess wie rund ein Dutzend weitere Mütter verfolgte.
Am Vortag hatte ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico Meta bereits zu einer Geldbuße von 375 Millionen Dollar verurteilt, weil der Konzern nach Einschätzung der Geschworenen Minderjährige auf Facebook, Instagram und Whatsapp nicht ausreichend geschützt hatte.
Die nächsten Prozesse, zwei davon ebenfalls vor dem Gericht in Los Angeles, werden nun zeigen, ob sich die Internetkonzerne weiteren Verfahren stellen oder verstärkt auf Vergleiche setzen. Das am Mittwoch verhängte Buß- und Schmerzensgeld sei für die Konzerne lediglich ein "Klaps auf die Finger", sagte die Branchenexpertin Jasmine Enberg. Wenn die Konzerne aber die Funktionsweise ihrer Plattformen ändern müssten, sei dies eine "existenzielle Bedrohung für deren Geschäftsmodelle".