Prozess wegen Mordes gegen Mitglieder einer französischen Freimaurer-Loge

Pariser Gerichtsgebäude
Pariser Gerichtsgebäude
© AFP
In Paris hat am Montag ein Prozess gegen 22 Mitglieder einer Freimaurer-Loge wegen zahlreicher Straftaten bis hin zu einem Auftragsmord begonnen. 13 der Angeklagten drohen lebenslange Haftstrafen, unter ihnen ehemalige Soldaten, Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter. "Es sind vor allem Menschen, die von einem Allmachtsgefühl durchdrungen waren", sagte Dylan Slama, Anwalt eines Gewerkschaftsvertreters, den die Hauptangeklagten hatten töten wollen, bevor sie wegen eines anderen Mordversuchs aufflogen.

Der Meister der Freimaurerloge, der heute 69 Jahre alte Jean-Luc Bagur, fädelte seine Pläne nach Angaben der Staatsanwaltschaft gemeinsam mit anderen "Brüdern" der Loge ein. Dabei steigerten sich die Straftaten vom Diebstahl eines Computers durch einen falschen Pizzaboten, Brandstiftung an einem Auto oder das Auslegen von toten Ratten im Garten eines Gegners. 2018 ermordeten Mitglieder der Bande nach Erkentnissen der Ermittler den Rennfahrer Laurent Pasquali, der in illegale Finanzgeschäfte verwickelt war. Sein Skelett wurde ein Jahr später in einem Wald gefunden, doch zunächst blieben die Täter unerkannt. 

Im Jahr 2020 scheiterte dann ein Mordanschlag der Bande auf eine Frau, die als Business-Coach arbeitete und eine Konkurrentin von Bagur war. Nach Erkenntnissen der Ermittler beauftragte Bagur einen "Bruder" aus seiner Loge, sie aus dem Weg zu räumen. Er soll dafür 70.000 Euro in Aussicht gestellt haben. 

"Ich hatte großes Glück, dadurch konnten andere Vorhaben rechtzeitig verhindert werden", sagte Marie-Hélène Dini, die dem Mordanschlag entkommen war. Dieser habe dennoch schwere Folgen für sie gehabt.

Die beiden mutmaßlichen Auftragskiller, zwei ehemalige Militärangehörige, wurden in der Nähe ihrer Wohnung festgenommen. Dieser Fall brachte die Ermittler auf die Spur der kriminellen Bande. Die Freimaurer-Loge wurde inzwischen aufgelöst. Freimaurer sind nicht-religiöse Bruderschaften, die auf mittelalterliche Dombauhütten zurückgehen. 

Zu den Hauptangeklagten zählt auch ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, der als Auftraggeber zahlreicher Straftaten galt. Die Ermittler fanden zudem heraus, dass er seit zwei Jahrzehnten ein Doppelleben mit zwei verschiedenen Frauen führte, die voneinander nichts wussten.

AFP