Sieben Tote bei Karnevalsumzug in Belgien: Raser drohen 30 Jahre Haft

Unglücksort 2022
Unglücksort 2022
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Weil er mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug raste und sieben Menschen tötete, muss sich ein Mann seit Montag in Belgien wegen siebenfachen Mordes vor Gericht verantworten. Der Angeklagte sitzt in dem Prozess in Mons fast 200 Nebenklägern gegenüber - Menschen, die bei dem Unglück im März 2022 verletzt oder schwer traumatisiert wurden oder ihre Angehörigen verloren haben.

"Wir werden kämpfen, um Gerechtigkeit für unsere Angehörigen zu erringen, die nicht mehr da sind", sagte eine von ihnen, Lorena Cascarano, der Nachrichtenagentur AFP. Die 27-Jährige hatte bei dem Unglück vor mehr als vier Jahren ihre Eltern verloren. "Ich bin immer noch fassungslos, genau wie vor vier Jahren, am Boden zerstört", sagte sie.

Michelina und Vito Cascarano hatten sich mit etwa hundert weiteren Menschen am frühen Morgen des 20. März 2022 auf der Straße des belgischen Dorfes Strépy-Bracquegnies versammelt, um am Karnevalsumzug teilzunehmen.

Der heute 38-jährige Angeklagte Paolo Falzone raste nach Angaben der Ermittler auf dem Rückweg von einer Disconacht mit 174 Stundenkilometern durch die Tempo-50-Zone in die Menge. Sechs Menschen waren sofort tot, ein weiterer starb 2024 an den Spätfolgen. Rettungskräfte zählten mehrere Dutzend Verletzte am Boden und sprachen von "Kriegsszenen".

Erst einen Kilometer, nachdem er mit seinem Auto durch die Menge gerast war, brachte der Angeklagte seinen BMW schließlich zum Stehen. Im Moment der Tragödie hatte er einen Beitrag für Onlinedienste gefilmt und nicht auf die Straße geschaut. Er wurde auf der Stelle festgenommen. Seinem neben ihm sitzenden Beifahrer wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Das Schwurgericht in Mons soll klären, ob der Angeklagte vorsätzlich gehandelt hat und damit wegen siebenfachen Mordes und 81-fachen versuchten Mordes verurteilt wird. Alles andere sei für die Opfer "nicht hinnehmbar", sagte der Anwalt Jean-Philippe Mayence, der nach eigenen Angaben 144 Nebenkläger vertritt.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sagen kann, man habe jemanden umgefahren, sei über ihn drübergefahren, habe so viele Menschen getötet, sei weitergefahren - dass man dann hierherkommen und behaupten kann, das sei keine Absicht gewesen", sagte Mayence.

"Er wollte nie jemanden töten", betonte dagegen der Anwalt des Angeklagten, Frank Discepoli, vor dem Gericht in Mons. Dennoch sei sein Mandant für den Vorfall verantwortlich. Bei einem Urteil wegen Mordes drohen Falzone bis zu 30 Jahre Haft.

Der Prozess dürfte mindestens sechs Wochen dauern. Insgesamt sollen mehr als 280 Menschen in dem Verfahen aussagen, darunter Augenzeugen, Rettungskräfte und Gutachter. "Ich erwarte nicht unbedingt eine Entschuldigung, aber eine Erklärung", sagte Lorena Cascarano.

AFP