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Hinweise auf Terroranschlag: Braunschweiger Karnevalszug kurzfristig abgesagt

Die Polizei hat den Braunschweiger Karnevalsumzug unter Verweis auf eine terroristische Gefährdung wenige Stunden vor Beginn abgesagt. Der Staatsschutz hatte die Polizei gewarnt.

In Braunschweig ist der für Sonntagmittag geplante Karnevalsumzug wegen Anschlagsgefahr kurzfristig abgesagt worden. Aus Staatsschutzquellen sei bekannt geworden, dass eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund vorliege, teilte die Polizei am Sonntag mit. Besucher wurden gebeten, die Strecke des Karnevalsumzugs Schoduvel nicht aufzusuchen beziehungsweise von einer Reise nach Braunschweig abzusehen.

Wie eine Zeugin gegnüber dem stern berichtete, herrscht in der Stadt Ratlosigkeit. "Zunächst hielten es viele für einen Scherz, doch nach den ersten Durchsagen der Polizei, die von einer akuten Terrorbedrohung sprachen, wurde der Ernst der Lage allen bewusst." Die unmittelbare Nähe der Terrorgefahr mache vielen Menschen Angst. "Es ist nicht mehr New York oder Kopenhagen. Es passiert direkt vor der eigenen Haustür. Man kann die Gefühle, die das auslöst, kaum beschreiben", so die junge Frau.

Ein Polizeisprecher sagte am Sonntag in Braunschweig, die Hinweise seien aus Ermittlungen des Staatsschutzes hervorgegangen. "Es handelte sich nicht um eine SMS oder einen Drohanruf." Bereits am Samstagabend hätten die Braunschweiger Behörden die Hinweise erhalten und daraufhin gründlich geprüft. Erst vor wenigen Wochen hatte eine Terrordrohung in Dresden gegen die islamkritische Pegida-Bewegung zu einem Demonstrationsverbot in der gesamten Stadt geführt.

Terrorhinweise müssen ernst genommen werden

Der Umzug hätte eigentlich um 12.20 Uhr beginnen sollen. Nach Angaben der Veranstalter ist er der größte Karnevalsumzug in Norddeutschland. Am Faschingssonntag sind bis zu 250.000 Besucher erwartet worden. In diesem Jahr sollten 4500 Teilnehmer aktiv dabei sein. Rund 100 Motivwagen waren geplant. Die Polizeidirektion habe die Entscheidung zur Absage des Zugs nach Abstimmung mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Zugmarschall Gerhard Baller getroffen, hieß es in einer Erklärung der Polizei.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, nach Anschlägen wie im Januar in Paris und nun in Kopenhagen gingen eine Vielzahl an möglichen Terrorhinweisen ein. Die Sicherheitsbehörden müssten jedem Hinweis nachgehen und prüfen, ob es sich nur um Wichtigtuerei handele oder wirklich etwas dahinterstecke. Das sei sehr schwierig - und führe manchmal zu Vorsichtsmaßnahmen wie nun in Braunschweig. Die Polizei setzte Spürhunde ein. Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) sagte, dies sei "ein trauriger Tag für unsere demokratische Gesellschaft". Aber: "Die Einschätzung der Polizei ließ eine andere Entscheidung allerdings nicht zu."

Mainzer Rosenmontagszug findet statt

Trotz erhöhter Alarmbereitschaft der Polizei soll der Rosenmontagszug in Mainz wie gewohnt stattfinden. "Bis jetzt gibt es keine konkreten Hinweise auf eine Terrorgefahr. Im Moment ist keine Absage geplant", sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag in Mainz. "Aber wir sind sehr wachsam."

In der Nacht zu Sonntag war Dänemark von einem Anschlag erschüttert worden. Ein Mann wurde getötet und drei Polizisten verletzt. Wenige Wochen zuvor hatten Islamisten in Paris Anschläge auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" sowie einen jüdischen Supermarkt verübt.

ivi/mka/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters