Laut Studie würde eine konsequente Delegation theoretisch ausreichen, die für 2030 prognostizierte bundesweite Lücke von 8200 unbesetzten Hausarztsitzen zu schließen. Dafür wären demnach etwa zwölftausend speziell geschulte Praxisassistenten erforderlich. Sie würden es vorhandenen Ärzten erlauben, mehr Patienten zu behandeln und mehr Zeit für diese aufzubringen. Der Stiftung zufolge könnten Routineaufgaben wie etwa Ultraschalluntersuchungen, Wundnachsorge oder Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes problemlos übertragen werden.
Viele der benötigten nichtärztlichen Fachkräfte stünden heute bereits zur Verfügung, betonte die Stiftung. Es gebe entsprechend qualifizierte Beschäftigte, die sich zudem bereits "im System" befänden. Zusätzlich könnten vorhandene Assistenzkräfte durch eine Weiterbildung oder ein gegebenenfalls berufsbegleitendes Studium die nötigen Qualifikationen erwerben. Dies sei insgesamt auch deutlich schneller und einfacher, als zusätzliche Hausärztinnen und Hausärzte auszubilden, hieß es weiter.
Die Vorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Brigitte Mohn, bezeichnete den in der Studie untersuchten Ansatz als "große Chance, die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens unter fordernden Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten oder sogar zu steigern".
Laut Stiftung zeigen Befragungen in ihrem Auftrag, dass Ärzteschaft und Bevölkerung offen für eine stärkere Aufgabenteilung in Hausarztpraxen wären. Sie verwies unter anderem zudem auf entsprechende positive Erfahrungen in anderen Ländern, etwa Kanada. Dort können speziell ausgebildete sogenannte Nurse Practitioners demnach sogar selbst Patienten betreuen, Diagnosen stellen und Medikamente verordnen.