In gleich 66 Ländern landete die erste Staffel von "Achtsam morden" in den Netflix-Top-10. Nun legt der Streaminganbieter mit der zweiten Staffel der Buchadaption mit Tom Schilling in der Hauptrolle nach. In den neuen Episoden will Anwalt Björn Diemel nur einen ruhigen Urlaub mit der Familie genießen, bringt dann aber aus Versehen einen Kellner ums Eck. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.
"Achtsam morden", Staffel zwei – Netflix
Manchmal sollte man es einfach rauslassen, das innere Kind. Es kann sonst ziemlich quengelig werden. Und das wäre gar nicht im Sinne von Björn Diemel (Tom Schilling). Der Anwalt und Mafia-Doppelboss hat in der zweiten Staffel des Netflix-Hits "Achtsam morden" ab Donnerstag, 28. Mai, schon genug zu tun – einen weiteren Quälgeist kann er jedenfalls nicht gebrauchen.
Von der inneren Ruhe ist bei Björn Diemel in den acht neuen Folgen nicht viel übrig geblieben. Dabei hatte er alle Probleme mit dem toten Mafiapaten in seinem Kofferraum achtsam gelöst und könnte nun mit seiner Tochter Emily und Noch-Frau Katharina (Emily Cox) in den Bergen den ersten Familienurlaub seit Langem genießen. Doch da ist eben jenes innere Kind mit seinem unbändigen Verlangen nach Kaiserschmarrn, Almdudler und Landjäger. Und wenn ein Kind nicht bekommt, was es will, dann kann das ziemlich unangenehm werden – nicht nur für lustlose Kellner auf Almhütten.
Also sitzt Diemel wieder seinem Achtsamkeits-Coach (Peter Jordan) gegenüber, der ihm rät, sein inneres Kind freizulassen. Doch das macht das Leben nicht einfacher für den Anwalt, der mit seinem treuen Kompagnon Sascha (Murathan Muslu) nicht nur zwei Mafia-Clans leiten, sondern sich mit Helikopter-Eltern, einer Erpressung, Allüren seiner baldigen Ex-Frau und noch mehr Leichen herumärgern muss. Dass dabei alles schiefgeht, gehört zur DNA der makabren Krimigroteske: Auch in den neuen Episoden mag der Humor nicht immer feingeistig sein, die Pointen sitzen trotzdem. Vor allem, weil man sich in dieser Gegenwartsdiagnose ein ums andere Mal ertappt fühlt.
"Spider-Noir" – Prime Video
New York, 1930er-Jahre: Für Ben Reilly (Nicolas Cage) läuft es nicht. Der Privatdetektiv hat mit Alterungserscheinungen zu kämpfen – und mit einer veritablen Pechsträhne. Zu allem Überfluss wird er auch noch von seiner Vergangenheit als einziger Superheld New Yorks eingeholt, als ein neuer Fall die amerikanische Metropole erschüttert. "Spider-Noir" basiert auf dem Marvel-Comic "Spider-Man Noir". Die achtteilige Serie ist ab Mittwoch, 27. Mai, bei Amazon Prime Video zu sehen.
Für Nicolas Cage ist es nicht der erste Auftritt im Marvel-Universum: Bereits 2018 sprach der heute 62-Jährige die Figur Spider-Man Noir, eines der vielen alternativen Spinnenwesen aus dem Spidey-Universum. In weiteren Rollen der Serie, die wahlweise in Schwarz-Weiß oder in Farbe gestreamt werden kann, sind unter anderem Brendan Gleeson als irischer Mafia-Boss Silvermane, Jack Huston als der aus Sand bestehende Superhelden-Bodyguard Sandman und Abraham Popoola als Weltkriegsveteran Lonnie Lincoln alias Tombstone dabei.
"Star City" – Apple
Was wäre, wenn die Geschichte anders verlaufen wäre? Was wäre, wenn die Sowjetunion den ersten Menschen auf den Mond geschickt und der Wettlauf mit den USA im All dazu geführt hätte, dass sich die ganze Menschheit technologisch schneller entwickelt? Dieser Frage geht Apple TV mit der famosen Serie "For All Mankind" seit fünf Staffeln aus Sicht der NASA nach. Nun wechseln die Serienmacher die Perspektive: "Star City" erzählt ab Freitag, 29. Mai, die Ereignisse aus Sicht der Kosmonauten hinter dem Eisernen Vorhang.
"Alternate History" ("alternative Weltgeschichte") ist ein sehr dankbares Science-Fiction-Subgenre: Die Welt bleibt die gleiche und ist doch ganz anders, weil sich auf einmal ganz neue Möglichkeiten bieten. Im Rennen um den Mond legen die Sowjets gleich nach. Nach dem ersten Mann schicken sie mit der Kosmonautin Anastasia Belikova (Alice Englert) auch die erste Frau auf den Mond.
Den Rausch der unendlichen Weiten des Weltalls kann Anastasia nur kurz genießen. In der Kosmonautensiedlung, der titelgebenden "Star City", herrscht eine unsäglich düstere, beklemmende Atmosphäre. Die Serie ist ein faszinierender Thriller, in dem das Streben der Wissenschaftler um den Chefkonstrukteur (Rhys Ifans) und der jungen Kosmonautinnen und Kosmonauten auf die Paranoia der realsozialistischen Wirklichkeit trifft. Es wird verwanzt und überprüft: Wer muss eventuell verhört, verschleppt, erschossen werden? In intensiven, grandios gespielten Szenen geht es um die Angst vor dem Versagen und um kleine Fluchten aus dem Alltag, die für die Menschen genauso wichtig sind wie die Reise zum Mond.
"Sportfreunde Stiller – Mit dem Herz in der Hand" – ARD Mediathek
Auch wenn sie nie als reine Fußballband gesehen werden wollten, ist es doch vor allem ein Song der Sportfreunde Stiller, der den vor der Jahrtausendwende geborenen Menschen hierzulande in Erinnerung geblieben ist: "54, 74, 90, 2006" galt als die inoffizielle Fanhymne des Deutschen Sommermärchens. Ein netter Zufall eigentlich, dass das Jubiläum der Band aus Germering bei München ebenfalls in den Zeitraum einer Fußball-Weltmeisterschaft der Männer fällt. Am Freitag, 12. Juni, also einen Tag nach dem WM-Auftakt in Mexiko, erscheint das Album "Happy Birthday", die Tour zu "30 wunderbaren Jahren" führt die Band den Sommer über quer durch Deutschland, und in der ARD Mediathek ist ab Donnerstag, 28. Mai, die Dokumentation "Sportfreunde Stiller – Mit dem Herz in der Hand" abrufbar.
Filmemacher Thorsten Berrar, der bereits das Drehbuch zu "Die VIVA-Story: Zu geil für diese Welt!" (abrufbar in der ARD Mediathek) verfasste, hat Sänger und Gitarrist Peter Brugger, Schlagzeuger und Keyboarder Florian "Flo" Weber und Bassist Rüdiger "Rüde" Linhof über ein Jahr lang begleitet: Die Kamera ist dabei, wenn die drei Musiker am Pool einer Villa in Spanien an neuen Songs tüfteln, aber auch wenn sie sich mit ihrem langjährigen Manager Marc Liebscher durch ein privates Archiv aus alten Zeitungsausschnitten und Interviews wühlen.
Die wirklich sehenswerten Passagen der 90-minütigen Dokumentation sind jedoch die vielen persönlichen Interviews mit den Bandmitgliedern und ihren Wegbegleitern, darunter Prominenten wie Joko Winterscheidt, Christina Stürmer und Harald Krassnitzer, sowie Archivaufnahmen aus den Anfangsjahren der Band, die ein kleines Stück popkulturelle Zeitgeschichte vermitteln und nicht zuletzt dank ihres oft recht selbstironischen Tons über weite Strecken unterhaltsam sind.