Umfrage: Gewalt als Erziehungsmethode in Frankreich weit verbreitet

Demonstration für Kinderrechte
Demonstration für Kinderrechte
© AFP
Ein Viertel der französischen Eltern ist noch immer davon überzeugt, dass Schläge auf den Po eine effiziente Erziehungsmethode seien. "Alltägliche Gewalt zu erzieherischen Zwecken wird stark verharmlost und gilt als normal", erklärte die französische Stiftung für die Kindheit, die am Freitag eine Umfrage zu dem Thema vorstellte. Demnach ist knapp ein Drittel der Eltern überzeugt, dass manche Kinder körperliche Strafen "brauchen", um zu lernen, sich richtig zu verhalten. Etwa 23 Prozent seien der Meinung, dass es rechtens sei, körperliche Strafen einzusetzen. 

Rund 37 Prozent der befragten Eltern räumten ein, ihren Kindern in den zwölf vergangenen Monaten mindestens einmal körperliche Gewalt angetan zu haben. "Es gibt kein 'bisschen' Gewalt", betonte die Kinderschutzbeauftragte Sarah el Haïry. Sie warnte vor Traumata, bleibenden Folgen und vor allem vor der Reproduktion der Gewalt durch die Kinder. Die Eltern müssten besser aufgeklärt werden, wie sie in manchen Situationen reagieren könnten, räumte sie ein. 

Für die Umfrage des Ifop-Instituts wurden gut 1000 Eltern von Kindern im Alter bis zu 17 Jahren befragt. 

Tatsächlich war körperliche Gewalt gegen Kinder in Frankreich lange nicht ausdrücklich verboten. Während Eltern und Lehrern in Deutschland die körperliche Züchtigung seit dem Jahr 2000 strafrechtlich untersagt ist, verabschiedete Frankreich erst 2019 ein entsprechendes Gesetz, in dem es heißt: "Elterliche Autorität wird ohne körperliche oder psychische Gewalt ausgeübt."

Das höchste Berufungsgericht bekräftigte Anfang 2026, dass es "kein Recht der Eltern auf Züchtigung ihrer Kinder" gebe. Es kassierte ein Urteil des Berufungsgerichts von Metz, das 2024 einen Vater freigesprochen hatte, der seinen beiden minderjährigen Kindern regelmäßig Backpfeifen und Schläge auf den Po gegeben hatte. 

Der frühere Premierminister François Bayrou hatte 2025 Aufsehen erregt, als er mit Blick auf einen Missbrauchsskandal an einer katholischen Schule eine Ohrfeige als "väterliche Geste" bezeichnet hatte. 

AFP