Vergewaltigungsprozess gegen Sohn von Norwegens Kronprinzessin begonnen

Marius Borg Hoiby im Juni 2022
Marius Borg Hoiby im Juni 2022
© AFP
In Oslo hat am Dienstag der Vergewaltigungsprozess gegen den Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit begonnen. Der 29-jährige Marius Borg Hoiby wies die Vergewaltigungsvorwürfe nach der Verlesung der Anklageschrift zurück. Ihm wird vorgeworfen, vier Frauen vergewaltigt und mehrere Ex-Freundinnen körperlich und psychisch misshandelt zu haben.

Hoiby erschien in einer grünen Hose und einem grünen Pullover vor dem Gericht in der norwegischen Hauptstadt. Außerdem trug er Ohrringe und eine auffällige Brille. Während der Verlesung der Anklage saß er ohne äußerliche Regung auf der Anklagebank. Als der Staatsanwalt ihn fragte, ob er sich der Vergewaltigungsvorwürfe schuldig bekenne, antwortete er mit Nein. Einige der weniger schweren Vorwürfe räumte er teilweise ein.

Insgesamt umfasst die Anklage gegen den aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin stammenden 29-Jährigen 38 Punkte. Neben den vier Vergewaltigungen legt die Staatsanwaltschaft ihm auch Körperverletzung und Drogenvergehen zu Last. Hoiby drohen bis zu 16 Jahre Gefängnis.

Seit Montag sitzt Hoiby in Untersuchungshaft, nachdem die norwegische Polizei ihn am Sonntag wegen neuer Vorwürfe festgenommen hatte. Nach Angaben der Polizei wurde der 29-Jährige, der einem strengen Kontaktverbot zu allen seinen mutmaßlichen Opfern unterliegt, "wegen des Verdachts auf Körperverletzung, Bedrohung mit einem Messer und Verstoß gegen ein Kontaktverbot" in Gewahrsam genommen. Die vierwöchige Untersuchungshaft wurde wegen Wiederholungsgefahr angeordnet.

Sein Prozess soll laut bisheriger Planung bis Mitte März dauern. Am Dienstagnachmittag sollte unter Ausschluss der Öffentlichkeit das erste mutmaßliche Opfer Hoibys befragt werden. Hoiby selbst soll voraussichtlich am Mittwoch zum ersten Mal vernommen werden. Vor dem Prozessbeginn hatte Staatsanwalt Sturla Henriksbo gesagt, der Sohn der Kronprinzessin werde "weder sanfter noch strenger" behandelt als andere Verdächtige.

Hoiby hatte sich öffentlich bislang nur einmal zu den Vorwürfen geäußert, nachdem er im August 2024 wegen des Vorwurfs festgenommen worden war, in der Wohnung seiner damaligen Freundin randaliert und die Frau misshandelt zu haben. Damals räumte er ein, unter dem Einfluss von Kokain und Alkohol gehandelt zu haben und seit langem Drogenprobleme zu haben. Die schwersten Vorwürfe stritt er aber von Anfang an ab.

Die norwegische Königsfamilie ist durch den Skandal in Bedrängnis geraten. Die an einer unheilbaren Lungenkrankheit leidende Mette-Marit steht zudem unter Druck, weil ihr Name in neu veröffentlichten Akten zur Affäre um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auftaucht.

Die Veröffentlichungen lassen eine gewisse Vertrautheit zwischen der Prinzessin und Epstein vermuten. Unter anderem fragte ihn die Frau von Kronprinz Haakon in einer E-Mail , ob es "für eine Mutter unangemessen ist, als Bildschirmschoner für ihren 15-jährigen Sohn ein Bild von zwei nackten Frauen, die ein Surfbrett tragen, vorzuschlagen". Mette-Marit zeigte am Wochenende Reue: Sie habe Epstein falsch eingeschätzt - "und ich bedauere zutiefst, den geringsten Kontakt zu Epstein gehabt zu haben". 

AFP