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Die Draisine wird 200 Jahre alt: Happy Birthday, liebes Fahrrad! Diese vier Schnauzbärte feiern dich

Sie fahren absurde Tretgestelle, tragen Zylinder und kommen von weit her, um ihren Helden zu ehren: den Erfinder Karl von Drais. Vor genau zwei Jahrhunderten brach der in Mannheim zur Erstfahrt mit seiner "Draisine" auf, dem Vorläufer des Fahrrads.

Mit faltbaren Laufrädern zu Ehren des Fahrraderfinders Karl von Drais auf großer Tour: Henning Raske, Joachim Fuhs, Andreas Opitz und Stefan Rueff aus Berlin (v.l.)

Mit faltbaren Laufrädern zu Ehren des Fahrraderfinders Karl von Drais auf großer Tour: Henning Raske, Joachim Fuhs, Andreas Opitz und Stefan Rueff aus Berlin (v.l.)

Kalle, Charles, Chuck und Carlos heißen im bürgerlichen Leben anders. Sie wohnen in Berlin, gehen morgens zur Arbeit, kümmern sich um ihre Familien. Doch nicht an diesem Wochenende. Da müssen sie nach , um zu Ehren des großen Karl von Drais, der vor genau 200 Jahren das Fahrrad erfand, ein Rennen zu fahren. Seit Jahren gehören die vier Freunde zur Spitze der weltweiten Klappradszene, die in streng reglemetierten Wettbewerben mit faltbaren 20-Zoll-Rädern antritt.

Diesmal jedoch ist alles anders: Die Jungs haben die Kurbeln und Pedalen von ihren Klappdingern abgeschraubt. So wurden daraus Laufräder, "Draisinen" sozusagen. Das Team nennt sich "K.A.R.L." – was für "Klappdraisinen am Rennlimit" steht. "Wir haben die schnellen Slickreifen aufgezogen", sagt Charles, der auch als Architekt Henning Raske bekannt ist. Trainiert haben die vier auf dem Alexanderplatz. "Immer um die Weltzeituhr", erinnert sich Mannschaftskapitän Kalle alias Andreas Opitz. "Dazu schepperte Karel Gotts 'Einmal um die ganze Welt' aus dem Kassettenrekorder." Dem Anlass gemäß tragen die Herren Abendgarderobe und Zylinder – und natürlich Bärte, ohne die bei Klappradveranstaltungen niemand zugelassen wird, dem von Natur aus Gesichtshaar wächst.

In Mannheim dreht sich alles um Karl von Drais und das Fahrrad

Dem weit gereisten Karl von Drais, der an einer mehrjährigen Expedition nach Brasilien teilnahm, hätte das sicher gefallen. Er war Forstmeister ohne Forstamt, ein mittelmäßiger Schüler aus gutem Hause, der stets zwischen Geniestreich und Desaster lebte. Am Donnerstag, dem 12. Juni 1817, machte er sich mit der von ihm erfundenen "Laufmaschine" von Mannheim aus auf zum Rebenhaus in Schwetzingen. Der Tag gilt bis heute als Geburtstag des Fahrrades. Drais Gefährt hatte – eine unerhörte Kühnheit -  zwei Räder hintereinander. Auf wundersame Weise hielt der badische Freiherr das Gleichgewicht, rechts und links stieß er sich abwechselnd mit den Füßen ab. Das "Badwochenblatt" schwärmte, er habe mit der "Fahrmaschine ohne Pferd" nach glaubwürdigen Zeugnissen "4 Poststunden Wegs in einer Stunde Zeit" zurückgelegt.

Genau 200 Jahre ist das am Montag her. Zum Jubiläum gibt es eine Sondermarke der Bundespost und ein Lied der Söhne Mannheims. In Mannheim selbst erinnern am Wochenende unzählige Veranstaltungen an Drais und seine Erfindung. Das Mannschaftszeitfahren der Klappräder ist zum Glück kurz. "So bleibt genug Zeit, den Wein der Region zu probieren“, sagt Chuck, der kurz darauf wieder als Joachim Fuhs in erwartet wird.


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