VG-Wort Pixel

Eine Mutter klagt an Todesfalle Bahnübergang

Lesen Sie die ganze Geschichte im neuen stern.


Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 50 Menschen an unbeschrankten Bahnübergängen. Matteo ist einer der Todesopfer. Anfang Mai kam der fünfjährige Junge an diesem Bahnübergang in der Nähe von Sankt Peter Ording um. Ein Zusammenstoß zwischen einer Regionalbahn und dem Auto. Wir treffen Matteos Mutter Marzia, die selbst im Unfallwagen saß. Mit einer Petition im Internet kämpft sie nun für mehr Sicherheit.


Marzia P: Die Petition liegt mir am Herzen, weil ich versuche, etwas zu bewegen. Damit Matteos Tod nicht umsonst war. Das gibt mir Kraft, einfach nach vorne zu schauen. Und zu gucken, wir ändern etwas, dass künftig solche Unfälle zu reduzieren und zwar drastisch zu reduzieren.


Seit Jahren bleibt die Zahl der Todesopfer an Bahnübergängen, die nur durch ein Andreaskreuz, Streckenposten oder eine Halbschranke gesichert sind, konstant. Wie kann es dazu kommen, dass Autofahrer so oft Züge nicht bemerken? Der 66-jährige Großvater von Matteo saß am Steuer des Wagens. 


Marzia P: Wir waren auf dem Rückweg von einem tollen Strandtag, der wirklich wunderschön war. Und sind auf den Feldweg zu unserem Ferienbauernhof eingebogen. Als mein Blick nach vorne fiel, war auf einmal der Zug da. Ich habe ihn nicht kommen hören und auch nicht gesehen. Er war einfach da. Es war einfach ein Feldweg. Und die Schienen waren nicht ersichtlich. Zack war der Zug da. 


Offenbar wurde der Großvater von der Sonne geblendet und konnte den heranrauschenden Zug nicht erkennen.


Marzia P: Ich hing kopfüber im Auto, angeschnallt und hatte das Gefühl, ich muss da raus. Ich wusste, da ist was furchtbares passiert. 


Der Großvater erleidet einen Schädelbasisbruch. Marzia bricht sich das Becken. Matteo überlebt den Unfall nicht.


Marzia P: Ich brauche immer Hilfe. Ich bin auf Hilfe angewiesen. Jemand muss für uns Kochen.


Auch an diesem Tag bringt Freundin Rena Dahn das Essen und unterstützt sie, wo sie kann. Neben Freunden und ihrem starken Glauben schöpft Marzia in dieser Zeit vor allem Kraft aus der Online-Petition, die sie schon vom Krankenbett gestartet hat. Sie fordert, alle unbeschrankten Bahnübergänge sicherer zu machen.


Marzia P: Eigentlich müssten alle Bahnübergänge Vollschranken bekommen. Sollte das wirklich nicht möglich sein, möchte ich, dass da andere technische Hinweise, bessere Hinweise angebracht werden, die Menschen eher anregen, auffordern, darauf zu achten. Damit solche Unfälle in Zukunft einfach nicht mehr passieren.


Doch Vollschranken, die den Weg komplett versperren, sind die Ausnahme. Sie gibt es nur an etwa 2200 der 18.000 Bahnübergänge der Bundesbahn.


Marzia P: Ich denke, die Bahn nimmt lieber 50 Tote im Jahr in Kauf, als Geld in die Sicherheit zu investieren. Und das steht in keinem Verhältnis.


Schlimmer noch: Die Bahn selbst stellt nun Forderungen gegen die Versicherung der Familie, denn laut Gesetzt hat ein Zug an einem Bahnübergang immer Vorfahrt.


Marzia P: Es ist ja auch ein Schaden am Zug entstanden. Der Lokführer ist nicht berufsfähig im Moment. Das heißt, die Bahn möchte, dass die Kosten, die an dem Zug und an den Gleisen durch den Unfall entstanden sind, von uns haben. 


38.000 Menschen haben Marzias Petition schon unterzeichnet. Die Bahn hat sich noch nicht gemeldet. Vom Konzern heißt es nur, dass man den Unfall bedauere. Außerdem betreibe man intensive Aufklärungsarbeit, da solche Kollisionen durch richtiges Verhalten der Verkehrsteilnehmers vermieden werden könnten. Seit Matteos Tod hat es drei weitere tödliche Unfälle gegeben. Lesen Sie im aktuellen stern die Hintergründe, warum es jährlich zu 50 Toten an unbeschrankten Bahnübergängen in Deutschland kommt.
Mehr
Jedes Jahr sterben Dutzende Menschen bei Unfällen an Bahnübergängen. Der fünfjährige Matteo war einer von ihnen. Der stern traf seine Mutter, die nun mit einer Online-Petition für mehr Sicherheit kämpft.
Von Kerstin Herrnkind und Philipp Weber

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker