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Polizeigewalt in den USA: Ausgangssperre in Baltimore wirkt - Proteste in New York

Die Lage in Baltimore beruhigt sich. Wieder sind der US-Stadt Tausende auf die Straße gegangen, doch der Protest verlief weitgehend friedlich. Auch in anderen Ostküstenstädten wurde demonstriert.

Tausende Menschen marschierten erneut in Baltimore gegen Polizeigewalt - weitgehend friedlich

Tausende Menschen marschierten erneut in Baltimore gegen Polizeigewalt - weitgehend friedlich

Die nächtliche Ausgangssperre und die massive Polizeipräsenz in Baltimore zeigen offensichtlich in der zweiten Nacht in Folge Wirkung. Wie der Nachrichtensender CNN nach Beginn der Ausgangsperre am Mittwochabend (22 Uhr Ortszeit) berichtete, waren nur noch wenige Menschen unterwegs. Die meisten der Demonstranten hätten die Straßen verlassen.

Wenige Stunden zuvor hatten Tausende Menschen in der US-Ostenküstenmetropole friedlich gegen Polizeigewalt demonstriert. Sie zogen vom Bahnhof zum Rathaus, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Die Demonstranten skandierten "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden".

Medienberichten zufolge standen rund 2000 Soldaten der Nationalgarde und rund 1000 zusätzliche Polizisten bereit, um für Ordnung zu sorgen. "Wir wollen in keine gewaltsamen Situationen geraten", sagte Generalmajorin Linda Singh von der Nationalgarde CNN. Ziel sei, Menschen und Eigentum zu schützen. Mit Megafonen wurden die Demonstranten daran erinnert, dass ab 22 Uhr eine Ausgangssperre gilt.

Baseball-Spiel vor leeren Rängen

Die nächtliche Ausgangssperre soll eine Woche bis jeweils 5 Uhr morgens (Ortszeit) gelten. In der Nacht zum Dienstag hatten sich rund 100 Demonstranten nach Beginn der Sperrstunde Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften geliefert. Autos und Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Es gab rund 200 Festnahmen.

Aus Angst vor Ausschreitungen wurde ein Baseball-Spiel ohne Fans abgehalten. Die Baltimore Orioles spielten am Mittwoch vor leeren Rängen gegen die Chicago White Sox, nachdem die eigentlich am Montag geplante Partie wegen der Unruhen verschoben worden war.

60 Festnahmen in New York

Auch in anderern Ostküstenstädten demonstrierten Menschen. In Washington zogen am Mittwoch etwa 1000 Menschen zum Weißen Haus. Der Protest in der Hauptstadt blieb friedlich. In New York versammelten sich tausende Demonstranten auf dem Union Square im Stadtteil Manhattan. Dort wurden mehr als 60 Demonstranten festgenommen, berichtete CNN. Ein kleinere Demonstration fand laut US-Medien in Boston statt.

Hunderte Menschen in New York drückten bei einer Demonstration ihre Solidarität mit den Bürgern von Baltimore aus

Hunderte Menschen in New York drückten bei einer Demonstration ihre Solidarität mit den Bürgern von Baltimore aus

Hintergrund der andauernden Spannungen in der Hafenstadt Baltimore ist der Tod des 25-jährigen Afroamerikaners Freddie Gray, der am Montag beerdigt worden war. Gray war am 12. April festgenommen worden, erlitt wenig später in Polizeigewahrsam eine Rückenmarkverletzung und starb später in einem Krankenhaus. Ein Polizeibericht über Grays Festnahme soll am Freitag der Staatsanwaltschaft überreicht werden.

In den USA ist es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Zwischenfällen von weißen Polizisten und schwarzen Männern mit tödlichem Ausgang gekommen. In der Stadt Ferguson (Missouri) sowie in New York kam es in der Folge zu teils gewaltsamen Protesten.

kis/DPA/AFP / DPA