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Tod nach Festnahme in Baltimore: Polizisten sollen Schwarzem das Genick gebrochen haben

Wieder ein Fall von Polizeigewalt gegen einen Schwarzen in den USA? Der 25-jährige Freddie Gray erleidet während einer Festnahme eine Rückenmarksverletzung - eine Woche später ist er tot.

Baltimores Polizeikommissar Anthony W. Batts (M.), Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake und Vize-Polizeichef Jerry Rodriguez bei einer Pressekonferenz: Der Tod des 25-jährigen Afroamerikaners Freddie Gray soll aufgeklärt werden

Baltimores Polizeikommissar Anthony W. Batts (M.), Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake und Vize-Polizeichef Jerry Rodriguez bei einer Pressekonferenz: Der Tod des 25-jährigen Afroamerikaners Freddie Gray soll aufgeklärt werden

Der Tod eines schwarzen Verdächtigen im Polizeigewahrsam hat in der US-Stadt Baltimore Proteste ausgelöst. Der 25-jährige Afroamerikaner Freddie Gray erlitt vor gut einer Woche eine Rückenmarkverletzung, während er nach seiner Festnahme in einem Polizei-Van transportiert wurde, wie die Behörden der Stadt mitteilten. Er fiel ins Koma und starb am Sonntag.

Die Verantwortlichen sicherten am Montag eine eingehende Untersuchung zu. Die beteiligten sechs Beamten wurden zunächst vom Dienst suspendiert. Gray war am 12. April festgenommen worden. Laut einem Polizeibericht geschah dies ohne Gewaltanwendung. Ihm sei der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden.

Tod durch Rückenmarksverletzung

Der Anwalt der Familie des Opfers, William Murphy Jr., wirft der Polizei vor, brutal mit dem Mann umgegangen zu sein. Der 25-Jährige habe keine Straftat begangen. Es habe "keine Begründung" für seine Festnahme gegeben, "außer dass er ein rennender schwarzer Mann war", sagte er. Gray wurden demnach bei seiner Festnahme drei Wirbel gebrochen, zudem sei das Rückenmark im Nackenbereich zu 80 Prozent durchtrennt worden. Dem jungen Mann sei praktisch das Genick gebrochen worden, sagte der Anwalt.

Die Polizei bestätigte, dass eine Rückenmarksverletzung zu Grays Tod geführt habe. Seine Gliedmaßen seien nicht gebrochen gewesen.

Opfer verlangte einen Inhalator

Auf einem Video der Festnahme ist zu sehen, wie die Polizei Gray auf einem Gehweg festhält, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleift. Laut der Zeitung "Baltimore Sun" war Gray im Bus noch bei Bewusstsein.

Vize-Polizeichef Jerry Rodriguez teilte mit, Gray habe nach seiner Festnahme nach seinem Inhalator verlangt. Laut einem von der Polizei rekonstruierten Ablauf wurden die Sanitäter erst 42 Minuten, nachdem Gray nach seinem Inhalator verlangt hatte, gerufen.

Anwalt spricht von Vertuschung

Anwalt Murphy warf der Polizei in der "Baltimore Sun" einen Vertuschungsversuch vor. Sie halte die Todesumstände von Gray so lange geheim, "bis sie eine Version der Ereignisse entwickelt haben, die sie von jeder Verantwortung freispricht".

Rund hundert Menschen kamen am Sonntag vor einer Polizeiwache in Baltimore zu einer spontanen Protestkundgebung zusammen und verlangten mehr Informationen über den Vorfall. Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake sagte dem Nachrichtensender CNN, die Bürger sollten erfahren, was genau passiert sei. Die Stadtverwaltung bereite daher eine unabhängige Überprüfung der Untersuchung vor.

Reihe von Polizeigewalt gegen Schwarze

Gray ist das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze. Erst Anfang April wurde in der Stadt North Charleston ein Polizist wegen Mordes angeklagt, weil er nach einer Verkehrskontrolle einem fliehenden Afroamerikaner in den Rücken schoss. Vor einer Woche wurde zudem bekannt, dass in Oklahoma ein 72-jähriger Hilfssheriff einen Schwarzen erschoss, obwohl dieser unbewaffnet war.

Bereits zuvor hatte eine Reihe von tödlichen Schüssen auf Schwarze eine Debatte über Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Im August war in der Kleinstadt Ferguson im Bundesstaat Missouri der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten getötet worden. Wegen mangelnder Beweise wurde der Beamte aber nicht angeklagt. Die Vorgänge führten in Ferguson und anderen Städten zu teils gewaltsamen Protesten.

lie/AFP/DPA / DPA