HOME

Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA: Krawalle in Baltimore nach Tod von Freddie Gray

Eine Woche nach dem vermutlich durch Polizeigewalt verursachten Tod des Afroamerikaners Freddie Gray ist es in Baltimore zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei nahm zwölf Randalierer fest.

"Ohne Gerechtigkeit kein Frieden" skandierten Demonstranten in Baltimore zunächst bei einer friedlichen Kundgebung am Samstag. Später eskalierte der Protest.

"Ohne Gerechtigkeit kein Frieden" skandierten Demonstranten in Baltimore zunächst bei einer friedlichen Kundgebung am Samstag. Später eskalierte der Protest.

Bei Protesten nach dem Tod eines Schwarzen in Polizeigewahrsam ist es am Samstag zu Ausschreitungen in der US-Großstadt Baltimore gekommen. Zunächst hatten tausende Menschen friedlich an der bislang größten Kundgebung in Baltimore teilgenommen, bei der Gerechtigkeit für den 25-jährigen Freddie Gray gefordert wurde. Später warfen Demonstranten Steine auf Polizeiwagen und Geschäfte. Die Polizei nahm zwölf Menschen fest.

Zunächst hatten sich rund 300 Menschen vor dem Wohnblock, in dem Gray von US-Polizisten festgenommen wurde, versammelt. Gemeinsam liefen sie zu einer Polizeiwache und skandierten dabei "Ohne Gerechtigkeit kein Frieden". Im Laufe des Marsches schwoll die Zahl der Teilnehmer immer weiter an. Rund 2000 Menschen kamen anschließend vor dem Rathaus in Baltimore zusammen und nahmen an einem friedlichen Trauermarsch durch die Stadt teil.

Gewalt und Plünderungen

Schließlich eskalierte die Lage: Dutzende junge Demonstranten zogen zum "Camden Yards"-Baseballstadion weiter. Örtliche Fernsehsender zeigten Hubschrauberaufnahmen von der Menge, die Flaschen und Mülleimer auf Polizisten warf. "Die Demonstranten schmeißen jetzt Fenster ein und werfen Gegenstände auf uns", erklärte die Polizei von Baltimore via Twitter. Zugleich rief sie die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Die Randalierer schlugen auch die Schaufenster von Geschäften ein, plünderten einen kleinen Supermarkt und blockierten Straßenkreuzungen.

Grays Zwillingsschwester Fredericka wandte sich erstmals an die Demonstranten und rief die aufgebrachte Menge zur Ruhe auf. "Bitte, bitte hört auf mit der Gewalt. Freddie würde das nicht wollen", sagte sie an der Seite von Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. Diese äußerte sich "tief enttäuscht" über die Unruhen, für die sie eine "kleine Gruppe von Agitatoren" verantwortlich machte.

Sechs Polizisten suspendiert

Freddie Gray war am 19. April, eine Woche nach seiner Festnahme, an Rückenmarksverletzungen gestorben. Der genaue Hergang der Ereignisse vom 12. April ist noch unklar, möglicherweise wurde der Afroamerikaner aber von Polizisten misshandelt. Auf einem Handy-Video von Zeugen ist zu sehen, wie die Beamten Gray auf einem Gehweg festhalten, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Rund eine Stunde später wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er ins Koma fiel.

Sechs Beamte wurden inzwischen vom Dienst suspendiert. In einem Polizeibericht hatte es zunächst geheißen, die Festnahme sei ohne Gewaltanwendung verlaufen. Gray war der Besitz eines Springmessers zur Last gelegt worden.

Immer wieder Fälle von Polizeigewalt in den USA

Nach dem Tod des jungen Mannes gab es täglich Proteste in Baltimore, bei denen die vollständige Aufklärung von Grays Tod gefordert wurde. Der junge Mann soll am Montag beigesetzt werden. Gray könnte das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze sein.

Im August war in der Kleinstadt Ferguson der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten getötet worden. Wegen mangelnder Beweise wurde der Beamte aber nicht angeklagt. Die Vorgänge führten in Ferguson und anderen Städten zu teils gewaltsamen Protesten.

las/AFP/DPA / DPA