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100 Jahre Weimarer Verfassung: Bremen will Straßen in Neubaugebiet komplett nach Frauen benennen

Immer noch ist in Bremen der Anteil an Straßen, die nach Frauen benannt sind, gering. In einem Neubaugebiet soll es deshalb nur weibliche Straßennamen geben. Es gibt auch schon Vorschläge.

Berta Suttnerstraße

In Bremen sollen mehr Straßen nach Frauen benannt werden (Symbolbild)

Picture Alliance

Eine Straße nach jemandem zu benennen, das gilt immer noch als Ausdruck großer Ehrerbietung. Traditionell wurde diese Ehre in erster Linie Männern zuteil – so sind Deutschlands Straßen auch ein Ausdruck des jahrhundertelangen Gefälles zwischen den Geschlechtern. Doch das soll sich nun Stück für Stück ändern. 

Die Stadt Bremen macht sich nun für die bessere Sichtbarkeit von Frauen im Straßennetz stark. Von den deutlich über 5000 Straßen in der Hansestadt tragen bisher lediglich etwas mehr als 80 weibliche Namen, berichtete der Weserkurier. Schon länger gibt es das Bestreben, diese Zahl deutlich zu erhöhen. In dem Neubaugebiet Gartenstadt Werdersee soll es konsequent angegangen werden.

Die Straßen, die dort entstehen, sollen ausschließlich nach Frauen benannt werden, hat der zuständige Beirat im Stadtteil Neustadt beschlossen. Wie der Weserkurier berichtet, sollen davon insgesamt acht Straßen betroffen sein. "Wir haben uns zu Herzen genommen, dass in Bremen bislang zu wenige Frauen in Straßennamen auftauchen", sagte Beiratssprecher Ingo Mose von den Grünen.

Bremen ehrt Frauen aus der Weimarer Republik

Die Namensgeberinnen wurden nach einem bestimmten Kriterium ausgesucht: 100 Jahre, nachdem in der Weimarer Republik die erste demokratische Verfassung in Deutschland verabschiedet wurde, sollen Frauen geehrt werden, die sich damals um die Entstehung der Republik verdient gemacht haben. Es solle an "das Jahr 1919 als Markstein der deutschen Geschichte" erinnert werden.

Auf der Vorschlagsliste befinden sich laut "Weserkurier" unter anderem Frauenrechtlerinnen wie Anita Augspurg, Hedwig Dohm oder Minna Cauer. Auch die Bauhaus-Künstlerin Gunta Stölzl könnte bald ihre eigene Straße bekommen, ebenso wie die jüdische, im KZ ermordete Malerin Friedl Dicker. In Deutschland werden Straßen meistens nach schon verstorbenen Personen benannt.

"Wir wollen die Straßen nach diesen starken Frauen benennen, die sich für das Frauenwahlrecht und die Gleichberechtigung engagiert haben", sagte SPD-Politikerin Imtraud Konrad. Nun werden die Vorschläge vom Staatsarchiv überprüft – damit will die Bremer Verwaltung sichergehen, dass sich in der Biografie der Frauen nicht doch Punkte finden, die dagegen sprechen könnten, eine Straße nach ihnen zu benennen.

Quelle: "Weserkurier"

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