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Bundespräsident Wulff in Lüneburg Bewahren und gedenken

Denkmalschützer haben es nicht leicht: Während viele Menschen lieber in die Zukunft schauen, wirft ihre Zunft den manchmal unangenehmen Blick zurück. Geld steht dafür nur selten zur Verfügung. Das weiß auch Bundespräsident Christian Wulff.

Der "Tag des offenen Denkmals" hat am Sonntag wieder bundesweit 4,5 Millionen Geschichtsbegeisterte hinter Türen schauen lassen, die sonst meist verschlossen sind. Diese Zahl nannte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz als Koordinatorin der Veranstaltung. Damit waren es ähnlich viele Menschen wie im vergangenen Jahr.

Bundesweit standen rund 7500 Baudenkmäler für Besucher offen. Bundespräsident Christian Wulff hatte den Aktionstag im niedersächsischen Lüneburg eingeläutet. "Denkmalschutz - da sollte man sich nichts vormachen - wird auch weiterhin ein fortwährender Kampf sein: gegen den Zahn der Zeit, gegen Unkenntnis und leere Kassen", sagte Wulff.

Unter dem Motto "Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr" konnten sich Interessierte in 2600 Orten auch historische Verkehrsmittel, Leuchttürme, Lokschuppen oder einstige Pilgerstationen anschauen.

Wulff ist Schirmherr der Stiftung Deutscher Denkmalschutz. Er lobte den jahrzehntelangen Einsatz vieler Lüneburger für die Erhaltung der Altstadt. "Gerade in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war das alles andere als selbstverständlich", sagte der Bundespräsident. Das Beispiel zeige, dass sich nicht nur die Zeiten änderten, sondern auch die Ansichten darüber, was bewahrenswert sei. "Viele Menschen wollen wissen, woher sie kommen und worauf sie aufbauen, auch im wörtlichen Sinn", sagte Wulff.

Allein in Baden-Württemberg wurde die Zahl der Besucher auf etwa 500 000 geschätzt. "Bei dem guten Wetter bin ich zuversichtlich, dass wir wieder die geschätzte halbe Million Besucher wie im Vorjahr erreichen", sagte Irene Plein vom Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen. Die Veranstalter in Hessen rechneten am Sonntag nach vorläufigen Zahlen mit mehr als 130 000 Besuchern, deutlich mehr als 2009.

In Berlin lockte der "Tag des offenen Denkmals" wieder mehr als 60 000 Menschen an. Besonders groß sei der Andrang bei den Führungen durch die Unterwelten des ehemaligen Flughafens Tempelhof gewesen, berichteten die Organisatoren. Auch in Sachsen standen die Pforten von rund 750 Bauwerken offen. Die Palette reichte nach Veranstalterangaben vom ehemaligen Braunkohleschacht in Leipzig über Barock- und Renaissance-Schlösser bis hin zu Friedhöfen.

Bundespräsident Wulff genoss den Gang in spätsommerlich-schönem Wetter durch die Altstadt Lüneburgs mit ihren jahrhundertealten Fachwerkhäusern sichtlich. Im Mittelpunkt des Besuches stand das Wasserviertel an der Ilmenau. Mittelalterliche Stände versetzten Teile des Viertels zurück in die Zeit der Hanse. Damals wurde von hier das kostbare Salz in den Norden transportiert, dass der Stadt Reichtum und Privilegien brachte. Auch der alte hölzerne Kran wurde am Sonntag in Gang gesetzt. Er gilt als der am besten erhaltene seiner Art.

DPA DPA

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