Dutroux-Prozess Der Kinderschänder und sein Geheimnis


Seine Verbrechen erschütterten die Welt. Die zögerlichen Ermittlungen sorgten für Misstrauen in Belgien. Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, Dutroux hätte Verbindungen bis in höchste Kreise gehabt.

An diesem Mittwoch, den 13. August, ist es sieben Jahre her, dass Fahnder den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux festnahmen. Der Prozess um die Entführung von sechs Mädchen, von denen vier in der Gefangenschaft starben, hat noch nicht begonnen. Aber etliche Enthüllungen und überraschende Entwicklungen kamen in diesen sieben Jahren ans Licht der Öffentlichkeit.

"Er muss bezahlen"

Im Februar 2003 packte Sabine Dardenne aus, die 80 Tage lang im Keller des Dutroux-Hauses in Marcinelle gefangen saß. Dutroux und ein Komplize hatten die damals Zwölfjährige im Mai 1996 vom Fahrrad gerissen und verschleppt. "Er muss bezahlen", forderte die junge Frau, als sie nach Jahren ihr Schweigen brach und die Bedingungen ihrer Haft schilderte. Ihre Leidensgenossin Laetitia Delhez, die andere Überlebende aus Dutroux’ Keller, hatte schon früher einen baldigen Prozessbeginn verlangt: "Das dauert alles viel zu lang."

Lang hatte es auch gedauert, bis die Polizei dem Kinderschänder auf die Spur kam, der bereits 1989 wegen Entführungen und Vergewaltigungen minderjähriger Mädchen in fünf Fällen verurteilt wurde. Von den 13 Jahren Haft saß Dutroux jedoch nur drei im Gefängnis ab. Im Juni 1995 verschwanden dann Julie und Melissa, im August 1995 wurden An und Eefje entführt. Ihre Leichen fanden die Fahnder später in verschiedenen Gärten,die Dutroux gehörten.

Bei lebendigem Leib begraben

Seinen unbequem gewordenen Komplizen Bernard Weinstein hatte Dutroux mit einem vergifteten Butterbrot betäubt und dann bei lebendigem Leibe ebenfalls sechs Meter tief verscharrt. Gestanden hat der Hauptverdächtige stets nur die Taten, die ihm auch tatsächlich nachgewiesen werden konnten. Seinen Anwalt Julien Pierre entließ Dutroux, nachdem dieser die These von ranghohen Hintermännern ausgeschlossen hatte: "In dieser Affäre ist er - schlimm genug - zur Hauptrolle verurteilt", sagte Pierre über seinen Mandanten.

Verschwörungstheorien hatten früh die Runde gemacht. Höchste Kreise, hieß es, seien in die Entführungen verstrickt. Im Herbst 1996 formierten sich 300 000 Menschen zum "Weißen Marsch" und forderten eine Reform von Polizei und Justiz in Belgien. Die Möglichkeit, dass Dutroux mehr als zwei Komplizen hatte, hat die belgische Justiz jüngst wieder aufgegriffen - und dies war eine Überraschung: Auch der Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul, der als möglicher Verbindungsmann Dutroux’ gilt, muss vor Gericht erscheinen.

Die Ermittlungen sind inzwischen weit gehend abgeschlossen, und auch ein Termin für den Geschworenenprozess steht fest: Am 1. März 2004 sollen Dutroux und seine mutmaßlichen Mittäter vor ihren Richtern erscheinen.

Roland Siegloff DPA

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