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Elefantenangriff im Zoo Dresden: "Wir hätten nicht gedacht, dass so etwas passiert"

Ein junger Elefantenbulle hat im Dresdner Zoo eine Tierpflegerin angegriffen und schwer verletzt.

Ein junger Elefantenbulle hat im Dresdner Zoo eine Tierpflegerin angegriffen und schwer verletzt. Die 43-Jährige musste operiert werden. "Ihr Zustand ist stabil, aber nach wie vor kritisch", sagte Zoo-Biologe Roland Brockmann am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Pfleger der Dickhäuter stehen derweil unter Schock. "Das sitzt sehr tief", sagte Brockmann. Es war der erste Unfall mit Elefanten im 1861 gegründeten Dresdner Tierpark. Die fünf verbliebenen Pfleger würden psychologisch betreut.

Der Unfall mit dem vierjährigen Thabo-Umasai geschah bereits am vergangenen Samstag. Mit Rücksicht auf die Angehörigen der Verletzten habe man nicht eher darüber berichtet, hieß es.

Die Tierpflegerin hatte mit einem Kollegen die Elefanten in deren Behausung führen wollen, als Thabo-Umasai am Rande des Wasserbeckens angriff. Obwohl der zweite Pfleger sofort zu Hilfe kam, wurden beide Zoomitarbeiter ins Badebecken gedrängt. Zoobesucher halfen dabei, sie auf der anderen Seite des Beckens aus dem Wasser zu ziehen. Der Pfleger ist laut Brockmann schon wieder im Dienst. Der Zoo versuche, die Ursache für die Attacke des Jungelefanten zu ergründen. "Er ist eigentlich noch vor der Pubertät. Wir hätten nicht gedacht, dass so etwas passiert und können es uns nicht erklären."

Thabo-Umasai war 2006 als erstes Elefantenkalb in der Geschichte des Zoos zur Welt gekommen und zugleich das erste, durch künstliche Befruchtung gezeugte Elefantenbaby in Deutschland. "Mit 1,8 Tonnen Gewicht ist er noch nicht ausgewachsen, eher ein Teenager", sagte Brockmann. Manchmal sauge er sogar noch bei seiner Mutter, die ihn nun suche. "Er ist derzeit sicher in einem Stall separiert." Sein Extra-Bereich auf der Außenanlage ist baulich fertig. Nur der Strom für die Stahlseile fehlt noch, die ihn von den anderen Elefanten trennen sollen.

Das Tier wird laut Brockmann nicht mehr von Menschen versorgt. "Er wird hier keinen Pflegerkontakt mehr haben", sagte er. Auch die Tür zum Außengehege werde künftig per Fernbedienung geöffnet oder geschlossen. Obwohl es bisher keine Probleme mit Thabo-Umasai gab, ist sein Weggang in die USA bereits beschlossen, da Dresden keine ausgewachsenen Bullen halten kann. Anfang März hatte es eine Zusage aus Pittsburgh (USA) gegeben.

DPA / DPA
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