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Elefanten: Comeback als Helfer in der Not

Die einst als Arbeitstiere geschätzten Dickhäuter, die inzwischen oft ein trauriges Dasein in Elefanten-Shows oder auf den Straßen Bangkoks fristen, erleben im Flutchaos nun ihr Comeback als unschätzbare Helfer.

Als die Suchhunde anschlagen, ist es wieder Zeit für "Sudlor". Vorsichtig schiebt der Elefantenbulle die Trümmer beiseite, bis drei Leichen freiliegen - so wie es "Sudlor" und ein halbes Dutzend seiner Artgenossen schon oft getan haben in der thailändischen Katastrophenprovinz Phang Nga. Die einst als Arbeitstiere geschätzten Dickhäuter, die inzwischen oft ein trauriges Dasein in Elefanten-Shows oder auf den Straßen Bangkoks fristen, erleben mit ihrem Einsatz im Flutchaos nun ihr Comeback als unschätzbare Helfer.

"Sie können sich durch schlammiges Gelände kämpfen, wo Leute und schweres Gerät nicht hinkommen, um dort Tote zu bergen", sagt Sompas Meepien, Besitzer des Ayuthaya Elefanten-Camps in Zentralthailand, das die Tiere zur Verfügung stellte. "Außerdem haben meine Elefanten Erfahrung darin, Verletzten im Dschungel zu helfen." Im Krisengebiet nehmen sie den Einsatzkräften zudem die Aufgabe ab, die Leichen in schwierigem Gelände abzutransportieren. Auch in der verwüsteten indonesischen Provinz Aceh im Norden Sumatras helfen Elefanten bei den gewaltigen Aufräumarbeiten.

Den meisten Dickhäutern geht es schlecht

Während die Helfer die Elefanten für ihre Arbeit im Katastrophengebiet mit Lob überschütten, geht es den rund 4000 zahmen und wilden Dickhäutern in Thailand weit schlechter. Einmal schlug der Gouverneur von Bangkok sogar vor, die so genannten Straßenelefanten in der Millionenstadt einfach erschießen zu lassen - zur Abschreckung, damit ihre Führer sie nicht mehr in die Hauptstadt bringen, um die Tiere dort von Touristen dann gegen Entgelt füttern zu lassen.

Für die Elefanten ist das Leben in der Großstadt eine Qual: Ein ums andere Mal lässt der infernalische Verkehr Bangkoks sie in Panik ausreißen; sie fallen in Straßengräben und werden von Autos angefahren. Immer wieder kündigte die Regierung in den vergangenen Jahren an, die Kolosse aus der Hauptstadt zu verbannen. Doch jedes Mal verliefen die Pläne im Sande. Die Führer - Mahouts genannt - und ihre Tiere kamen trotzdem, alleine schon wegen des lukrativen Verdienstes von umgerechnet rund 800 Euro im Monat.

Arbeitslosigkeit - auch ein Elefantenproblem

In ihren Dörfern sind Mensch und Elefant hingegen zur Untätigkeit gezwungen: Früher als genügsamer Arbeiter in der Forstwirtschaft begehrt, gelten die meisten der rund 2000 zahmen Jumbos seit einem Abholzungsverbot von 1989 als arbeitslos. Staatliche Programme zur Auswilderung scheiterten bislang am Geld. Und immer wieder gibt es Berichte über Elefanten-Camps, in denen die Tiere auch zu Tode geschunden werden. Für Thailands wilde Elefanten indes wird der Lebensraum immer knapper: Illegale Rodungen und Umwandlung von Waldflächen in Plantagen rauben ihnen die Existenzgrundlage.

Seltsame Geschichten machen derweil die Runde in Phang Nga. Einwohner berichten von einer Gruppe Elefanten, auf denen Touristen unterwegs gewesen seien und die nach dem Seebeben seltsam zu trompeten begonnen hätten. Direkt vor der ersten Flutwelle hätten die Dickhäuter dann mitsamt der Urlauber Reißaus genommen - und sich in sichere Entfernung geflüchtet.

Frank Brandmaier/DPA / DPA