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Bevölkerungsbericht: Deutschland wird Top-Einwanderungsland

Deutschland im Jahr 2050: Statt 82 Millionen Menschen leben nur noch 71 Millionen Menschen hier. Und die sind im Schnitt deutlich älter als jetzt. Jährlich werden dann 110.000 Immigranten hierherkommen - und das Land zu einem der beliebtesten Einwanderungsländer der Welt machen.

Die Welt wächst, Deutschland schrumpft. Zumindest, was die Bevölkerungszahl betrifft. Die UN hat nun ihre neuesten Prognosen zur Entwicklung der Erdbevölkerung herausgegeben. Danach werden in Deutschland im Jahr 2050 nur noch 71 Millionen Menschen leben. Aktuell sind es 82 Millionen. Doch der Rückgang könnte deutlich stärker ausfallen, wenn nicht jährlich 110.000 Einwanderer kommen würden. Treffen die Vorhersagen der Vereinten Nationen ein, dann würde Deutschland Platz sechs der Top-Einwanderungsländer weltweit belegen - hinter Staaten wie den USA (1,1 Millionen), Großbritannien (178.000) und Italien (157.000).

Allerdings musste die UN ihre Zahlen bereits nach unten korrigieren: Beim letzten Weltbevölkerungsbericht 2006 gingen die Statistiker noch von einem Migrantenplus in Höhe von 140.000 aus. Das solche Zahlen nur als Anhaltspunkt dienen können, liegt in der Natur von Prognosen. Anfang der 1990er etwa, wurde die Zahl der Zuwanderer noch deutlich höher taxiert - doch die damalige Bundesregierung verschärfte das bis dahin geltende Asylrecht derart, dass die Zahl der Einwanderer drastisch zurückging.

Dass es immer mehr Menschen in die Industrieländer zieht, hat auch damit zu tun, dass die Bevölkerung vor allem in den schlecht entwickelten Ländern stark zunehmen wird - und damit auch die Probleme mit Arbeit und Nahrungsversorgung zunehmen werden. Laut den UN-Hochrechnungen werden in rund 40 Jahren 2,3 Milliarden mehr Menschen auf der Welt leben als jetzt. Insgesamt also 9,1 Milliarden. Das allerdings auch nur, wenn die Zahl der Geburten, wie angenommen, insgesamt leicht sinken wird. Zurzeit liegt die weltweit durchschnittliche Kinderzahl bei 2,56 Kindern pro Frau. Im Jahr 2050 soll sie auf 2,02 Kindern pro Frau sinken. Sollte diese Zahl aber nur um ein halbes Kind pro Frau höher liegen, würde die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf 10,5 Milliarden Menschen anwachsen.

Die Zunahme der Bevölkerung findet fast ausschließlich in den Entwicklungsländern statt. In den 49 ärmsten Staaten verdoppelt sich die Bevölkerung bis Mitte des Jahrhunderts sogar, und zwar von 800 Millionen auf fast 1,7 Milliarden Menschen. "Der Kampf gegen die Armut wird dadurch erheblich erschwert", sagte der Vize-Direktor der UN-Bevölkerungsabteilung, Thomas Büttner. In den Industriestaaten hingegen bleibt die Bevölkerungsgröße der Prognose zufolge relativ stabil. Hier kommen bis 2050 lediglich rund 50 Millionen Menschen hinzu, die Bevölkerung dieser Ländergruppe umfasst dann 1,28 Milliarden Menschen.

Ein weiterer Trend, der aus den neuen UN-Zahlen hervorgeht, ist die deutliche Alterung der Weltbevölkerung in den kommenden vier Jahrzehnten. "Weltweit wird sich die Anzahl von Personen im Alter von über 60 Jahren bis 2050 fast verdreifachen: von 739 Millionen auf zwei Milliarden Menschen", heißt es. In den Industrieländern steige der Anteil der über 60-Jährigen so schnell wie nie zuvor. Im Jahr 2050 wird voraussichtlich ein Drittel der Bevölkerung in diesen Ländern älter als 60 Jahre sein.

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung fordert angesichts der Entwicklung deutlich mehr Geld für Programme zur Familienplanung in armen Ländern. Zudem seien in einigen Staaten Kondome und Pillen noch immer nicht verfügbar, sagte Geschäftsführerin Renate Bähr.

nik/DPA/AP / AP / DPA