HOME

Karl Rabeder: Der Nicht-ganz-so-Gutmensch

Für mehr als zwei Millionen Euro verloste Karl Rabeder seine Tiroler Villa, um damit Armen in Südamerika zu helfen. Doch wo ist das Geld geblieben?

Von Georg Wedemeyer und Stefan Linde

Bei all der Gier und Geldscheffelei ringsum tauchte er auf wie eine Lichtgestalt: der bescheidene österreichische Millionär Karl Rabeder. Der 49-jährige reiche Mann, den sein Geld nach Jahren der Maloche nicht mehr glücklich machte. Der erst seine Firma verkaufte und dann seine Villa verloste, um mit dem Erlös Gutes zu tun in der Dritten Welt. Der nun zufrieden in einer Almhütte und von 1000 Euro im Monat lebt. Seit drei Jahren tischt Karl Rabeder in Interviews und Talkshows diese Geschichte auf. Wer sie nachrecherchiert, muss auf Überraschungen gefasst sein.

PR-Firmen verkünden die soziale Botschaft

"Traumvilla gewinnen und gleichzeitig Gutes tun" war die erste Presseerklärung überschrieben, die Rabeder im März 2009 verbreiten ließ. Der Erlös der Verlosung seiner 320 Quadratmeter Villa über dem Tiroler Inntal werde "nach Abzug der Kosten nicht in das Privatvermögen des Eigentümers fließen, sondern in ein neues Sozialprojekt zur Vergabe von Mikrokrediten in armen Ländern investiert."

Mindestens drei PR-Unternehmen beauftragte Karl Rabeder mit der Verkündung der sozialen Botschaft. Mit Erfolg, die Story vom wohltätigen Millionär machte schon bald überall Furore. Heute verzeichnet sein Name bei Google über eine halbe Million Treffer.

In der Süddeutschen Zeitung versprach Rabeder: "Ich werde für das Projekt alles aufbrauchen bis zur letzten Reserve." Die Frankfurter Rundschau schwärmte: "2004 verkaufte Rabeder seine Firma, mit dem Geld unterstützte er Waisenhäuser. Heute fliegt er in die Slums von Südamerika, wo er mit seinem Geld vielen Menschen die Grundlage für eine neue Existenz bieten kann." Auch der Spiegel zeigte sich nach einem Ortstermin in Rabeders Villa beeindruckt: "Er will Gutes tun und steckt, was er flüssig macht, in seinen gemeinnützigen Verein MyMicroCredit."

Wo sind die Millionen hin?

Dank der gewaltigen Publicity wurde die Verlosung ein Erfolg. Die 49jährige Heike F. aus Bayern wurde im August 2010 als Gewinnerin gezogen. 21.999 verkaufte Lose je 99 Euro brachten 2,178 Millionen Euro ein. "Flüssig gemacht" hat der Karl Rabeder also eine ganze Menge. Nur: Für wohltätige Zwecke blieb davon kaum was übrig. Die einzige Spende, die wirklich feststeht, beläuft sich auf 14.886,20 Euro verteilt auf die drei gemeinnützigen Vereine "Licht ins Dunkel", "Vinzenzgemeinschaft Tirol" und "S.O.S. Kinderdorf". Gerade mal 0,7 Prozent der Verlosungssumme.

643.000 Euro gingen für Gebühren, Rechtsanwaltskosten, PR-Büros und andere "Nebenkosten" drauf. 745.000 Euro flossen in die Tilgung der Hypotheken auf die Villa. Die Tilgung war zuvor angekündigt, aber nicht die gewaltige Höhe. Und dann war da noch der Teil von Rabeders Firma, den er nicht verkauft hatte, und der 890.000 Euro Verbindlichkeiten aufwies.

Die Schulden hatten sich angehäuft, weil Karl Rabeder seit 2004 nach dem Teilverkauf seiner Firma für Wohnaccessoires auf zu großem Fuße gelebt hatte. Der damals 42-Jährige fühlte sich als Frühpensionist, kaufte eine zweite Villa in Südfrankreich und spekulierte an der Börse. Beim Finanzcrash 2007 verlor er dort große Summen. Bereits damals versuchte er vergeblich die Tiroler Villa abzustoßen und verkaufte schließlich auch die französische wieder mit Verlust.

Im September 2010, also einen Monat nach der Verlosung der Tiroler Villa, konnte er dann endlich die schon länger drohende Insolvenz seiner Restfirma "Kunsthandwerk Kara GmbH" abwenden. Er vereinbarte mit der Gläubiger-Bank, persönlich 510.000 Euro Kara-Schulden zu übernehmen. Kürzlich will er, dessen Vermögen nach eigener Auskunft seit "anderthalb Jahren bei einer runden Null angekommen ist", die Summe auch bezahlt haben. Hat er dafür Geld aus der Verlosung eingesetzt? Rabeder sagt nein. Woher stammt es dann? Antwort: "Da war noch ein anderes Sparbüchel." Belege bleibt er schuldig.

Posen vor bescheidener Almhütte

Heute lebt Karl Rabeder von Vorträgen und Seminaren mit Titeln wie "Urkraft der Natur" und "Entschlacken". Wer versucht, ihn privat zu besuchen, erlebt Überraschungen. In der bescheidenen Almhütte, in der er sich nach der Verlosung so gerne fotografieren und filmen lässt, wohnt er jedenfalls nicht. Die Hütte ist nicht winterfest, und auch im Sommer hat er sich dort nur von Zeit zu Zeit eingemietet.

Nirgendwo in Österreich ist er noch polizeilich gemeldet. Die letzte bekannte Meldeadresse bis Mitte November 2011 verweist auf den Wiener Millennium Tower, ein 202 Meter hohes Ungetüm aus Stahl und Glas. "Eine veraltete Firmenadresse", sagt Rabeder dazu. Er wohne mal hier mal dort, bei Freunden oder in "billigen Pensionen".

Bleibt die Frage nach den "Mikrokrediten in armen Ländern", in die Karl Rabeder sein Vermögen "bis zur letzten Reserve" investieren wollte. Wie viel Geld hat er persönlich in seinen Verein MyMicroCredit und in Mikrokredite für Arme gesteckt? Antwort: "Ich möchte da keine Summe äußern. Ich bevorzuge die Formulierung: Ich gebe alles, was ich habe."

Das könnte freilich auch "Nichts" bedeuten. Jedenfalls wenn man den Titel des Buches ernst nimmt, das er mittlerweile geschrieben hat: "Wer nichts hat, kann alles geben." Immerhin existiert der Verein MyMicroCredit (MMC) tatsächlich, also sollte sich in dessen Finanzen Konkreteres finden.

Kein Rechenschaftsbericht, Belege: Fehlanzeige

Über zwei Jahre ist die Internetplattform des Vereins (www.mymicrocredit.org) nun schon online und sammelte fleißig von privaten "sozialen Investoren" Geld für zinslose Mikrokredite ein. Andere, wie Rabeders Buchverlag, haben dem Verein auch ungebunden größere Summen gespendet. Doch einen Rechenschaftsbericht, wie ihn jeder Fußballverein vorlegt, gibt es bisher nicht.

Er habe "das noch nicht zusammengerechnet", sagt Rabeder. Zu wenig Zeit. Aber es seien von "tausenden sozialen Investoren ein paar Hunderttausend Euro" eingegangen. Belege? Fehlanzeige. Doch wenn die Summen stimmen, ist unklar, was damit passiert ist. Nach dem stern vorliegenden Informationen hat Rabeder wesentlich weniger Geld seiner "sozialen Investoren" an Hilfsbedürftige weitergeleitet.

Der größte MMC-Partner vor Ort, das Kleinkreditunternehmen "Apoyo Integral" in El Salvador, hat von Rabeders MMC schon lange kein Geld mehr gesehen. 541 Geschichten von Kreditsuchenden hat Apoyo an MMC geliefert. 423 Kredite meldet MMC auf seiner Homepage als erledigt. Aber nur 278 in Höhe von 98.106 Dollar (69.000 Euro) wurden bis Juni 2010 an Apoyo überwiesen. Danach stellte Rabeder die Zahlungen ein, sammelte aber noch bis Herbst 2011 mit seiner MMC-Homepage weiter Geld.

Vergeblich forderte Apoyo im April letzten Jahres noch wenigstens 46.000 Dollar von ihm. Rabeder zahlte nicht. Angeblich wegen Schwierigkeiten mit deutschen Behörden. Dafür versprach er mehr Geld, wenn der Verein erst in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt sei und er das Geschäft mit einer deutschen Internetbank dann viel größer aufziehe. Die Differenzen mit Apoyo bezeichnet Rabeder als Missverständnisse.

Im Juli 2011 hat Apoyo die Zusammenarbeit mit Rabeder aufgekündigt. Man habe "Zweifel gehabt bei diesem Finanzierungsmechanismus", so ein Vorstandmitglied zum stern. Die Kreditsuchenden misstrauen Herrn Rabeder. Mit Recht, denn ernsthafte Behördenschwierigkeiten hatte er nach stern-Recherchen nie. Jedenfalls nicht bis zum Erscheinen dieses Artikels.

mit Recherchen von Kid Möchel / print
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.

Von:

Georg Wedemeyer und Stefan Linde