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Koran-Verbrennung am 11. September Christen und Juden gleichermaßen entsetzt


"Schrecklich", "abstoßend", "unerträglich": Auch in Deutschland hat der Plan radikaler Christen in den USA, am 11. September öffentlich den Koran zu verbrennen, Empörung ausgelöst - zumal der umstrittene Pastor Jones mehrere Jahre in Köln gearbeitet hat.

Christen und Juden in Deutschland haben entsetzt auf die Ankündigung radikaler Christen in den USA reagiert, den Koran öffentlich zu verbrennen. Die Evangelische Kirche (EKD) distanzierte sich am Mittwoch scharf von dem Vorhaben des Pastors Terry Jones, der früher auch in Köln tätig war, und sprach von einer "unerträglichen Provokation". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, äußerte die Sorge, "dass mit solchen intoleranten Angriffen das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in vielen Teilen der Welt gefährdet wird".

Die Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, erinnerte an die Bücherverbrennungen der Nazis 1933. "Die Vorstellung ist schrecklich und abstoßend", sagte sie in München und zitierte den Dichter Heinrich Heine: "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Man dürfe es nicht zulassen, "dass eine in bestimmten Kreisen praktizierte, oft subtile und fast immer stillschweigend akzeptierte Angst- und Hasspolitik unvermindert fortgesetzt wird und Früchte trägt". Sie hoffe, dass sich die Vernunft und der Geist der Freiheit am Ende durchsetzten.

Zollitsch verurteilte die geplante Aktion als "inakzeptable und in keiner Weise hinnehmbare Provokation einer winzigen Minderheit". EKD- Auslandbischof Martin Schindehütte erklärte, ein Verbrennen des Korans sei mit dem christlichen Zeugnis nicht vereinbar. Gerade zum Ende des Fastenmonats Ramadan, den Muslime in aller Welt in diesen Tagen begehen, gebe ein solcher Akt radikalen Positionen und Reaktionen neuen Nährboden.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Markus Dröge, sprach von einem Tiefpunkt der Unkultur. Islamische Autoritäten hätten sich unmittelbar nach dem 11. September 2001 sehr deutlich von dem Anschlag auf das World Trade Zentrum distanziert.

Der radikale Pastor Jones, der die Verbrennung am Samstag am Jahrestag des Anschlags plant, war lange in Köln als Seelsorger tätig. Das bestätigte die freikirchliche "Christliche Gemeinde Köln", sie grenzte sich aber zugleich scharf von seinem Vorhaben ab. "Wir distanzieren uns von dieser Aktion und möchten damit nicht in Verbindung gebracht werden", sagte der zweite Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft, Stephan Baar, der Nachrichtenagentur dpa. Zwischen der Gemeinde und Jones sei es 2008 nach finanziellen Unregelmäßigkeiten zum Bruch gekommen. Seitdem gebe es keinen Kontakt mehr.

Jones hatte die "Christliche Gemeinde Köln" als Gemeinschaft von Bibelfundamentalisten in den 1980er Jahren gegründet. 2002 verurteilte ihn das Kölner Amtsgericht wegen Führens eines falschen Doktortitels zu einer Geldbuße von 3000 Euro.

Eine ähnliche Provokation wie in den USA - die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed - hatte 2005 weltweit teils gewaltsame Proteste von Muslimen ausgelöst. Der dänische Mohammed- Karikaturist Kurt Westergaard, der seitdem unter Polizeischutz leben muss, wurde am Mittwochabend in Potsdam erwartet. Für seine Unbeugsamkeit sollte der 75-Jährige im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem Medienpreis ausgezeichnet werden. Die Ehrung war von scharfen Sicherheitsvorkehrungen begleitet.

DPA DPA

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