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Hochbegabter 17-Jähriger Maximilian Janisch hat mit neun das Mathe-Abi geschrieben: "Ich sehe mich nicht als Wunderkind"

Maximilian Janisch
Maximilian Janisch, 17, ist Mathematiker aus Leidenschaft
© Privat
Mit neun Jahren die Abschlussprüfung in Mathe geschrieben, mit zwölf das Studium begonnen – Maximilian Janisch ist hochbegabt. Im NEON-Interview spricht der 17-Jährige über Freundschaften, sein Interesse für Schwarze Löcher und die Probleme von Talenten in der Schule.

Maximilian Janisch war gerade einmal neun Jahre alt, als er bereits die Abschlussprüfung in Mathe absolvierte – und das mit Bravour. Der hochbegabter Schweizer machte die vollständige Matura, vergleichbar mit dem Abitur in Deutschland, dann zwar doch "erst" mit 15 – gleichzeitig studierte er da aber schon seit einigen Jahren Mathematik in Frankreich.

Gefördert wurde Janisch von seinem Vater, der selbst Mathematik-Professor ist. Mittlerweile ist der Junge 17 Jahre alt und steht kurz vor seinem Studienabschluss – wohlgemerkt in einem Alter, in dem die allermeisten Jugendlichen noch vor dem Abitur stehen. Der vielseitig interessierte Janisch arbeitet derzeit vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz. So erklärt er in der aktuellen Online-Vortragsreihe "Sparx", wie sich mit Hilfe von KI Bilder von Schwarzen Löchern machen lassen. NEON hat mit Maximilian Janisch über sein Talent, Freunde und seine Zukunftspläne gesprochen.

Mathe-Genie Maximilian Janisch: "Die Schule ist nicht flexibel genug"

NEON: Maximilian, wenn man Berichte und Reportagen über dich liest oder sieht, tauchen immer wieder Begriffe wie "Wunderkind" und "Phänomen" auf. Siehst du dich selbst auch so?
Maximilian Janisch: Ich bin ein ganz normaler Junge mit einem besonderen Interesse und Talent für Mathematik und wurde da speziell gefördert. Aber ich sehe mich deshalb nicht als Wunderkind oder ähnliches.

Naja, du hast mit neun Jahren die Matura-Prüfung in Mathematik geschrieben, vergleichbar mit dem deutschen Abitur. In dem Alter beschäftigen sich andere mit dem großen Einmaleins. Wann hast du gemerkt, dass du intelligenter bist als andere?
Am Anfang der Primarschule (in Deutschland die Grundschule, Anm. d. Red.) habe ich gemerkt, dass ich ein spezielles Talent für Mathematik habe. Da habe ich eine Klasse übersprungen und dann mit meinem Vater, der Mathematik-Professor ist, innerhalb eines Jahres den Mathe-Stoff von fünf oder sechs Jahren erarbeitet. Insgesamt habe ich in der Primarschule drei Klassen übersprungen und damit viel Zeit gespart.

Hast du trotzdem eine normale Kindheit gehabt?
Meine Kindheit war super. Es war nicht so, dass ich 13 Stunden lang Mathematik gemacht und in einem Kellerloch gesessen habe.

Du hast mit zehn Jahren in einem Interview gesagt: "Ich bin nicht auf Freunde spezialisiert". Hat sich das mittlerweile geändert?
Das war eine super Formulierung. (lacht.) Nein, ich bin mit meinem Freundeskreis sehr zufrieden. An der Uni fällt es auch nicht auf, dass ich jünger bin. Da merkt das kaum jemand, bis ich es nach zwei Monaten mal sage. Die meisten meiner Freunde sind zwei bis drei Jahre älter als ich, das ist für mich nicht schlimm. Ich habe aber auch kein Problem mit anderen 17-Jährigen.

Maximilian Janisch
Maximilian Janisch im Alter von zwölf Jahren bei der Vorstellung seines Buches "Mit zehn Jahren an die Uni: Der Sternenhimmel eines Hochbegabten". Sein Vater Thomas Drisch hatte ihm beim Schreiben unterstützt.
© Thierry Grillet / Picture Alliance

Dein IQ beträgt 149+ – was bedeutet, das er sich mit dem herkömmlichen IQ-Test nicht messen lässt. Was bedeutet Intelligenz für dich persönlich?
Von dem IQ-Test halte ich wenig, der war nur nötig, um die Schulklassen überspringen zu können. Eine Definition von Intelligenz ist schwierig: Man könnte darunter die Fähigkeit verstehen, auf neue Probleme Lösungen zu finden. Oder ein sehr spezifisches Interesse für ein Thema wie Physik, Mathematik oder Schach.

Dein Vater ist selbst Mathematik-Professor, du hattest deinen Entdecker und Förderer also im Haus. Was ist mit Kindern, die ähnliche Fähigkeiten haben wie du, aber nicht diesen familiären Hintergrund?
Ich hatte einen Riesenvorteil durch meine Eltern. Für die meisten Kinder ist es schwer, eine entsprechende Förderung zu finden, wenn sie ein besonderes Interesse oder Talent haben. Die Schule ist dafür nicht flexibel genug. Sie passt sehr gut für 98 Prozent der Kinder, aber die Randfälle – zum Beispiel Kinder mit sehr großem Talent – werden nicht angemessen gefördert. 

Wie könnte man den restlichen zwei Prozent helfen?
Zum Beispiel, indem man schaut, wer Klassen überspringen könnte und das leichter möglich macht. Das wäre relativ einfach und gleichzeitig effektiv. Es ist teuer, die Schule auf individuelle Fälle anzupassen, aber es würde sich lohnen, mehr Geld in zukünftige Talente zu investieren.

Wie viel von dem, was du kannst, ist Talent und wie viel musstest du dir erarbeiten?
Jeder, der keine großen Nachteile hat, kann in einem bestimmten Gebiet überdurchschnittliche Leistungen erzielen, wenn er sich dafür einsetzt. Ich könnte ein überdurchschnittlicher 100-Meter-Läufer werden, wenn ich dafür trainiere, aber nicht der nächste Usain Bolt. Sehr, sehr gute Leistungen sind eine Kombination aus beidem. Viele Leute, die in ihrem Gebiet Vorreiter sind, haben sehr früh angefangen – und das ist kein Zufall.

Aktuell beschäftigst du dich damit, mit Künstlicher Intelligenz Bilder von Schwarzen Löchern zu machen. Worum genau geht es da?
Ich möchte am Beispiel der Schwarzen Löcher demonstrieren, wie gut Mathematik und Informatik zusammenarbeiten. Albert Einstein hat das Universum als gekrümmt höherdimensionales Objekt gesehen. Mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie hat man vor hundert Jahren die Existenz von Schwarzen Löchern vorhergesagt. Heute kann man mit leistungsstarken Computern, Teleskopen und Software sehr große Datenmengen zu einem Bild von einem Schwarzen Loch zusammenfügen. So sieht man überall, dass Mathematik, die es schon länger gibt, jetzt dank schnellerer Computer und guter Software angewendet werden kann.

In diesem Jahr wirst du volljährig – was ändert sich dadurch?
Ich darf endlich Auto fahren, darauf warte ich sehnsüchtig. Ansonsten ändert sich wahrscheinlich nicht viel.

Du studierst gerade in zwei Studiengängen parallel. Was sind deine Ziele für die Zukunft, welche berufliche Laufbahn strebst du an?
Mit meinem Master in Zürich bin ich fertig, sobald ich meine Masterarbeit erledigt habe. In Perpignan brauche ich noch ein Jahr. In Zürich will ich dann mit dem PhD weitermachen. Danach mache ich vielleicht etwas im Bereich Machine Learning. Da gibt es viele interessante Unternehmen, die zum Beispiel Medizin mit Machine Learning verbinden.


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