Junge Wähler
Games und E-Sports: SPD setzt in Brandenburg mehr auf Jugend

Die SPD-Landtagsabgeordneten Lars Katzmarek und Annemarie Wolff wollen die Themen Games und E-Sports stärker in den Mittelpunkt
Die SPD-Landtagsabgeordneten Lars Katzmarek und Annemarie Wolff wollen die Themen Games und E-Sports stärker in den Mittelpunkt rücken. Foto
© Jens Kalaene/dpa
Die SPD steckt bundesweit in der Krise, in Brandenburg hat sie gerade mit der CDU eine neue Koalition begonnen. Auch mit Blick auf die nächste Landtagswahl will sie bei Jüngeren beliebter werden. Wie?

Die SPD will in Brandenburg verstärkt jüngere Wähler ansprechen. Das soll nach Ansicht der Sozialdemokraten nicht nur über soziale Medien gehen, sondern auch mit Themen, die die Jugend interessieren. Die SPD-Landtagsfraktion hat mit Annemarie Wolff eine Sprecherin für Games - und mit Lars Katzmarek nun auch einen Sprecher für E-Sports.

"Entscheidend ist, dass wir als SPD in Brandenburg sichtbar junge Themen vertreten und dies mit glaubwürdigen und überzeugenden Gesichtern verbinden", sagte Generalsekretär Kurt Fischer der Deutschen Presse-Agentur. "Annemarie Wolff und Lars Katzmarek sind mit ihren Initiativen dafür sehr gute Beispiele."

Wolff: Politiker müssen zu den Menschen gehen

Annemarie Wolff war schon als Kind "sehr computeraffin": "Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie wir die ersten Konsolen hatten", sagte sie. "Die digitalen Räume sind schon ganz lange Lebensrealität von jungen Menschen. Wir müssen als Politikerinnen und Politiker endlich verstehen, dass die Leute nicht zu uns kommen, sondern dass wir zu den Menschen gehen."

Die Chance für die SPD-Fraktion ist aus ihrer Sicht, eine stärkere politische Aufmerksamkeit auf Themen wie E-Sports, Gaming und digitale Räume zu haben. "Dann können wir dazu beitragen, dass wir gesundheitsfördernde Standards etablieren und Themen wie Prävention und Diversität mitdenken."

Aufklärung statt Verbot

Die 35-Jährige aus Ludwigsfelde sieht im Netz große Tendenzen zur Radikalisierung. "Im Bereich Rechtsextremismus und Islamismus werden Spiele erstellt, um Leute für sich zu gewinnen." Wolff setzt bewusst nicht auf Verbote: "Risiken werden ernst genommen, aber sie sind kein Argument für Rückzug, sondern für kluge Präsenz, Aufklärung und Beteiligung", sagte sie.

Ihr Fraktionskollege Lars Katzmarek aus Cottbus kennt Computerspiele auch schon lange: "Ich bin früher auf Lan-Partys gegangen, wir haben uns auf Dachböden gesetzt, uns im Keller eingeschlossen, wie man das halt so gemacht hat zu der Zeit", berichtete der Abgeordnete, der auch Rapper ist. Irgendwann sei in der SPD-Fraktion die Idee entstanden: "Wir wollen was mit Gaming und E-Sports machen."

Stiftung: 37,5 Millionen spielen Games

In Deutschland spielen 37,5 Millionen Menschen Games, wie aus Zahlen der Stiftung Digitale Spielkultur hervorgeht. "Games sind natürlich bei Kindern und Jugendlichen ein beliebtes Medium", sagte Geschäftsführerin Nandita Wegehaupt Ende März im Bildungsausschuss des Landtags. Doch nicht nur Jüngere daddeln gern: Das Durchschnittsalter liegt laut Stiftung bei fast 40 Jahren.

Für die Gamescom im August in Köln - nach eigenen Angaben das größte Games-Event der Welt - organisiert die SPD-Fraktion eine Delegation aus Brandenburg, um dort Gespräche zu führen. "Gaming ist für viele der erste Zugang zu digitaler Teilhabe, E-Sport die organisierte Spitze davon", sagte die SPD-Abgeordnete Wolff.

Talentsuche für E-Sports 

In Berlin wird vom 15. bis 17. Mai der Brawl Cup veranstaltet, eine der E-Sports-Meisterschaften. "Für Brandenburg könnte man sich durchaus vorstellen, dass wir gucken, ob wir nicht Talente hier vor Ort haben, die wir pushen können", sagte Wolff. Ihr Kollege Katzmarek betonte: "Wir haben mit E-Sports etwas aufgetan, worüber ganz viele Leute reden."

Der Lausitzer will mit einem Vorurteil aufräumen: "Wenn man E-Sport sagt und mit einem klassischen Sportler darüber redet, hört man oft irgendwie: Ist ja gar kein Sport. Es hat aber sehr wohl was damit zu tun." Die Spieler würden von richtigen Teams aus Sporttrainern, Psychologen, Ärzten und Physiotherapeuten trainiert.

Forscher: Bei der Jugend mehr mobilisieren

Der Politikwissenschaftler Jan-Philipp Thomeczek hält die Strategie mit Themen wie Games und E-Sports für "wirklich sinnvoll". "Die Erstwähler gehen recht häufig wählen, dann sinkt die Wahlbeteiligung in den Altersgruppen ab, steigt erst so ab den 30ern wieder", sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Potsdam.

"Das heißt, dass man bei den Jüngsten noch mehr mobilisieren kann." Er betont: "Wichtig wäre es, dass man eben auch Themen der jungen Generation anspricht."

SPD will Vertrauen zurückgewinnen 

Bei der Brandenburger Landtagswahl 2024 lag die AfD bei den 16- bis 24-Jährigen mit 31 Prozent vorn vor der SPD mit 19 Prozent, wie eine Analyse von Infratest dimap ergab. Seit März 2026 regiert eine SPD/CDU-Koalition. Die Jusos waren zum Start allerdings kritisch und vermissten Projekte für junge Menschen, wie die SPD-Jugend klarmachte.  

Mit der Strategie für Jüngere will sich die SPD auch besser aufstellen auf dem Weg zur nächsten Landtagswahl 2029. "Es muss um den Fokus auf die Interessen und die analoge sowie digitale Lebensrealität junger Menschen in unserem Land gehen - im Speckgürtel genauso wie im ländlichen Raum", sagte SPD-Generalsekretär Kurt Fischer. "Im Schulterschluss mit unserem Jugendverband, den Jusos, können wir dabei mit harter Überzeugungsarbeit Stück für Stück Vertrauen zurückgewinnen."

dpa