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Papamobil: Perbetuum Mobile

In Sachen Mobilität hat es ein moderner Papst nicht einfach. Sänften sind aus der Mode gekommen und bieten keinen Schutz vor schießwütigen Fanatikern. Außerdem sind die Dinger bei Menschenrechtlern total unbeliebt.

In Sachen Mobilität hat es ein moderner Papst nicht einfach. Sänften sind aus der Mode gekommen und bieten keinen Schutz vor schießwütigen Fanatikern. Außerdem sind die Dinger bei Menschenrechtlern total unbeliebt. Mehr Sicherheit würden gepanzerte Limousinen bieten, wie sie von Politiker benutzt werden. Die schotten den obersten Hirten allerdings zu sehr von seiner Herde ab.

Kabine aus Panzerglas

Seit dem Attentat auf Papst Johannes Paul II. gibt es die scheinbar perfekte Lösung: das Papamobil. Ein wuchtiger Geländewagen mit aufgesetztem Terrarium aus Panzerglas. Darin kann sich der heilige Vater ausgesprochen sicher, würdevoll und für alle seine Anhänger gut sichtbar durch die Massen schieben lassen. Bis zu dem verhängnisvollen Anschlag fuhr das Kirchenoberhaupt meistens in einem offenen Wagen durch die Menschenmassen.

Erstmals zum Einsatz kam so ein Spezialumbau in England. 1982, ein Jahr nach Ali Agcas Schüssen auf den Papst, rollte Johannes Paul II. in einem Landrover über die Insel. Gut geschützt durch zentimeterdickes Panzerglas. Seitdem sind die rollenden Hochsicherheits-Telefonzellen der Inbegriff für jeden Papstbesuch.

50 Papamobile weltweit

In der pontifikalen Tiefgarage stehen gleich mehrere identische Papamobile bereit, die teilweise mit auf Reisen gehen. Nach Afrika, zum Beispiel. Bei Abstechern innerhalb Europas wird das entsprechende Fahrzeug meist von einem einheimischen Automobilhersteller zur Verfügung gestellt. Über 50 Papamobile der verschiedensten Hersteller gibt es weltweit. Grob geschätzt.

Deutsche Wertarbeit

Im Vatikan vertraut der Papst seit knapp 20 Jahren meist deutscher Wertarbeit. Seit 2002 fährt Johannes Paul II. in einem perlmuttfarbenen Sondermodell von Mercedes. Die umgebaute M-Klasse ersetzte eine in die Jahre gekommene G-Klasse, die der Papst 1980 von Mercedes geschenkt bekam. Die Papst-Kabine ist natürlich klimatisiert und bietet außerdem Platz für mindestens zwei Begleiter.

Mit zunehmendem Alter des Papstes erwies sich die Konstruktion der Papamobile als echter Glücksgriff. Sie boten ausreichend Platz für einen bequemen Sessel. Das papstliche Gestühl ist in der Höhe verstellbar, so dass der Pontifex für alle Gläubigen gut sichtbar bleibt. In jungen Jahren pflegte Karol Wojtyla noch stehend durch die Menge chauffiert zu werden.

Privat fährt der Papst Lancia

Abseits der Massenaufläufe vertrauen die Päpste seit langem auf die üblichen Staatkarossen. Von Papst Paul VI. erbte Johannes Paul II. ein Mercedes 600 Pullmann Landaulet und einen 300 SEL. Inzwischen ist der altersschwache Papst allerdings auf eine weitere Spezialanfertigung umgestiegen. Für Fahrten vom und zum Flughafen nutzt Karol Wojtyla einen Lancia Thesis Jubileo. Die italienische Luxuslimousine wurde so umgebaut, dass der Papst sitzend "verladen" werden kann. Dazu klappt das halbe Dach des Fahrzeugs zur Seite.

Zu mobilen Zeiten hat es Johannes Paul II. sogar geschafft, eines seiner Papamobile lahm zu legen. Während eines Afrika-Tripps ordnete der Papst an, die Scheiben des Fahrzeugs zu öffnen, um die Menschen am Straßenrand besser sehen zu können. Mit der einströmenden heißen Luft war allerdings die Klimaanlage des Wagens überfordert und legte anschließend das komplette Papamobil lahm.

Jochen Knecht