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Jahreswechsel Stille Nacht, die zweite: Warum Silvester trotz Lockdown ein Volltreffer werden kann

feuerwerk an Silvester
Das Feuerwerk dürfte zu Silvester 2020 deutlich kleiner ausfallen als sonst
© Moritz Kindler / Unsplash
Keine großen Partys, kaum Feuerwerk und nur zwei Haushalte. Was bleibt im Jahr 2020 von dem Silvester, das wir kennen? Unser Autor ist bekennender Silvesterfan – und dennoch zuversichtlich.

Ich bin Silvesterfan. Weihnachten ist okay, manchmal etwas anstrengend. Geburtstag oft eher unangenehm. Aber Silvester finde ich super. Gefeiert wird mit vielen Freunden, viel Essen, Alkohol, Musik, Tanzen, Feuerwerk in der Ferne. Unter den besonderen Umständen dieses Jahres – Pandemie, zwei Haushalte, fünf Personen – wird das alles allerdings ein wenig anders.

Die große Silvesterparty fällt in diesem Jahr aus, nicht nur hier, sondern im ganzen Land. Normalerweise gilt: Zu Heiligabend ist Besinnlichkeit angesagt, eine Woche später am Jahresende dann Ausgelassenheit bis hin zum Exzess. 2020 ist Silvester eher die Fortsetzung von Weihnachten – Stille Nacht, die zweite. Nur ohne Geschenke. Silvester wird in diesem Jahr also ganz anders. Was aber nicht bedeutet, dass es schlecht werden muss. Im Gegenteil.

Vielleicht gar nicht so schlecht, wenn der Exzess mal wegfällt

Die Party, die ausgelassene Stimmung, ist nämlich nur die eine Seite von Silvester. Ordentlich feiern kann man theoretisch an jedem Tag im Jahr (werden wir nach Corona wahrscheinlich auch machen). Das Besondere am 31. Dezember aber ist, dass etwas endet und etwas Neues beginnt. Zumindest reden wir uns das am Jahresende ein – dass dieser Tag eine Art Zäsur in unserem Leben ist und die neue Zahl auf dem Kalender irgendeine Bedeutung hat.

Je älter man wird, desto mehr versteht man, wie wenig das stimmt. Trotzdem brauchen wir ab und zu genau diese Einschnitte. Silvester war schon immer die optimale Gelegenheit, sich über das Leben Gedanken zu machen, in die Vergangenheit und in die Zukunft zu schauen. Wenn in diesem Jahr einmal der traditionelle Exzess wegfällt, entsteht dafür mehr Platz. Das war schon an Weihnachten so.

Zeit zum Bilanzziehen nach einem verrückten Jahr

Denn, wie gesagt: Die euphorische Partystimmung macht keineswegs den gesamten Reiz von Silvester aus. Dazu gehört auch diese bittersüße Melancholie am Jahresende, das Rekapitulieren der Ereignisse, die herzlichen Umarmungen mit den Freunden um Mitternacht, der wehmütig-beseelte Blick in den Nachthimmel, das Gefühl, dass das nächste Jahr endlich meines wird. Und das alles geht auch im Lockdown nicht verloren. Na gut, bis auf die Umarmungen vielleicht.

Dieser Teil von Silvester ist in allen Jahren vor 2020 oft etwas untergegangen. Da war "zwischen den Jahren", inmitten von Weihnachtsnachwehen und Vorbereitungen für die Party des Jahres, irgendwie kein Platz für ein bisschen Bilanzziehen. Allein schon deshalb, weil es in den Tagen vor dem Jahreswechsel kaum möglich ist, einen klaren Gedanken zu fassen, wenn alle paar Minuten irgendwo ein Böller explodiert. Dann war das Jahr auch auf einmal schon zu Ende: war schon irgendwie okay, geht weiter, weniger essen und mehr Sport. Auch die Vorsätze könnten diesem Jahr mal kreativer ausfallen.

Silvester 2020: Eben nicht "same procedure as every year"

Mit Silvester ist es genau wie mit jeder anderen guten Party: Es braucht diese Mischung aus Loslassen und Festhalten, aus Ausrasten und Runterkommen, wildem Tanzen und tiefen Gesprächen. Der bevorstehende Jahreswechsel wird in dieser Hinsicht möglicherweise etwas einseitig – oder, um es mal mit einem Silvesterklassiker zu sagen: eben nicht "same procedure as every year".

Aber möglicherweise kann uns diese Erfahrung auch ganz gut tun. Und im nächsten Jahr dann wieder Freunde, Essen, Alkohol, Musik, Tanzen. Nur das mit dem Böllern, das können wir gerne weiter bleiben lassen.


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