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US-Idee für die Altenpflege: Omi wohnt im Gartenhäuschen

Kaum jemand geht gern ins Seniorenheim, doch die Pflege zu Hause ist oft nicht möglich. Ein Pfarrer in den USA hat nun das "MEDCottage" erfunden: eine High-Tech-Unterkunft, die wie ein Schuppen im Garten aufgestellt wird. Kritiker laufen Sturm gegen den "Rentner-Schuppen".

Für Kritiker ist es ein "Omi-Schuppen", für viele andere eine innovative Idee: eine High-Tech-Hütte für den Garten, dazu gedacht, pflegebedürftigen Angehörigen eine Unterkunft zu bieten. Kein pfiffiger Geschäftsmann hat es erfunden, sondern US-Pfarrer Kenneth Dupin. Seine Vision: Generationen wieder näher zusammenzubringen.

Billiger als ein Pflegeheim

Anscheinend kommt seine Idee gut an. Ende Juli wurde das erste "MEDCottage" vorgestellt, mittlerweile gebe es schon mehrere Tausend Interessenten, sagt Dupin. "Jede kleine alte Lady in der Welt hat uns angerufen und nach einem gefragt." Von außen sieht das "MEDCottage" aus wie ein Gartenhäuschen. Es ist vier mal acht Meter groß und enthält alles, was gebraucht wird: Bad, Kochgelegenheit, Bett. Die Besonderheiten liegen im Detail. So ist der Fußboden per Kamera überwacht: Der Betreuer kann sehen, wenn jemand in der Hütte gestürzt ist. Es gibt auch verschiedene medizinische Einbauten, vom Blutdruckmessgerät bis zur Tablettenbox, die an die Einnahmezeiten erinnert.

Dazu ist alles ebenerdig gebaut, das Bad behindertengerecht, und es gibt einen Lift, um pflegebedürftige Patienten aus dem Bett zu heben. Eine Klimaanlage filtert die Luft, was etwa bei geschwächten Krebspatienten das Infektionsrisiko mindern soll. 50.000 bis 57.000 Euro soll so eine Hütte kosten oder ab 1100 Euro pro Monat zu mieten sein. Damit ist sie billiger als ein Platz in einem Wohn- oder Pflegeheim.

"Was kommt als Nächstes? Der Studienabbrecher- Schuppen?"

Allerdings gibt es auch Kritik. "Ist es eine gute Idee, Leute in einen Vorratsbehälter zu packen und sie in den Garten zu stellen?", fragte Bezirksrat Jeff C. McKay in der "Washington Post". "Das ist ein Omi-Schuppen. Was kommt als Nächstes? Der Studienabbrecher- Schuppen?" Die größte Seniorenorganisation der USA, AAAP, hält das "MEDCottage" jedoch für gut. "Die Einwohnerzahl steigt dramatisch an, deshalb brauchen wir innovative Ideen. Und das ist eine davon", sagte AAAP-Vorstandsmitglied Jeannie English.

Dupin ist fest überzeugt, dass seine Erfindung hilft, Senioren vor der Einsamkeit in einem Heim zu bewahren. Den 55-Jährigen aus Salem im US-Bundesstaat Virginia hat es immer wieder berührt, wenn er in anderen Ländern gesehen hat, wie mit alternden Familienmitgliedern umgegangen wird. "Überall auf der Welt wird das Alter geachtet. Es ist etwas Gutes", sagt der Pfarrer. Nur in den USA nicht, was er nicht verstehen könne. "Die Angst, isoliert zu sein, ist doch die größte, die wir haben."

Ein Pfarrer will die Welt verändern

Wenn Kinder geboren würden, nähmen die Eltern viele Umstände in Kauf, wie zum Beispiel die Einrichtung eines neuen Zimmers. "Ich finde, wir sollten das Gleiche tun, wenn wir alt werden."

Doch ein Problem beschäftigte die vielen Unterstützer, die der Pfarrer um sich geschart hat: Auch in den USA, darf nicht einfach im Garten neu gebaut werden. Dupin ging bei Politikern hausieren. Und tatsächlich: Im US-Bundesstaat Virginia ist es seit dem 1. Juli gestattet, die "MEDCottages" aufzustellen. Ein Arzt muss jedoch die Pflegebedürftigkeit des Bewohners feststellen, und wenn die Hütte nicht mehr benötigt wird, muss sie nach 30 Tagen abgebaut werden.

Die neue Regelung bringe die gesamte Raumplanung durcheinander, moniert jedoch McKay. "Es schafft die Möglichkeit, etwas legal zu tun, was bisher illegal war - einen zweiten Wohnraum auf dem Gelände eines Einfamilienhauses zu schaffen."

Dennoch: Die Entwicklung ist anscheinend nicht mehr aufzuhalten. Die Produktion ist angelaufen, ab 2011 sollen die ersten 100 Hütten ausgeliefert werden. Dupin ist Feuer und Flamme: "Wir werden die Welt verändern."

DPA / DPA
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