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Illegaler Gottesdienst in Worms "Was würde Jesus sagen?" – da kontert der Polizeichef die Querdenker mit der Bibel

Thomas Lebkücher in der Diskussion mit Querdenkern
Thomas Lebkücher in der Diskussion mit Querdenkern
© Twitter / Michael Mayr
In Worms hatten sich einige Querdenker zu einem nicht erlaubten Gottesdienst versammelt. Polizeichef Thomas Lebkücher ließ sich auf eine Diskussion ein – und konnte dabei mit biblisch fundierten Argumenten punkten.

Am Sonntag protestierten im rheinland-pfälzischen Worms einige Querdenker und Gegner der Corona-Maßnahmen gegen die Pandemiepolitik. Unter anderem versuchte eine Gruppe von Christen, auf der Straße einen Gottesdienst zu veranstalten. Anlass war der 500. Jahrestags des Wormser Reichstags, auf dem Martin Luther seine Thesen verteidigt hatte. Die Versammlung war von der Stadt jedoch zuvor untersagt worden. Die Gläubigen hielten die Abstände nicht ein, einige trugen außerdem keine Masken.

Auch als die Polizei einschritt, um die Versammlung aufzulösen, zeigten sie sich zunächst nicht einsichtig. Doch Thomas Lebkücher, Leiter der Polizeiinspektion in Worms, hatte gute Argumente parat, um den Christen entgegenzutreten. Der Polizeichef zeigte zwar Verständnis für den Wunsch der Gläubigen, ihre Religion auszuüben, machte aber auch klar, dass dem andere Grundrechte gegenüberstehen. Besonderen Eindruck dürfte aber seine Argumentation auf Grundlage der Bibel hinterlassen haben.

Demonstration in Worms: Religionsfreiheit vs. Recht auf Leben

Während die klare Mehrzahl der christlichen Gemeinden und auch anderer Religionsgemeinschaften sich an den Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung beteiligt und beispielsweise auf Online-Gottesdienste ausweicht, wollte sich die Gruppe von Christen in Worms nicht an die Regeln halten. Polizeichef Lebkücher versuchte zuerst, die juristische Güterabwägung zu erklären: "Ein Grundrecht kann niemals uneingeschränkt ohne ein anderes Grundrecht gelten." Dem Grundrecht der Religionsfreiheit, auf das sich die Gläubigen berufen, stünde das Recht auf Leben anderer Bürger gegenüber. "So funktioniert eine Gesellschaft."

Die Befürchtung, dass es durch solche Veranstaltungen zu zusätzlichen Corona-Infektionen kommen könnte, überzeugte die Demonstranten jedoch nicht. Sie ließen sich sogar den Namen des Beamten geben – offenbar, um sich über ihn zu beschweren. Die Diskussion ging weiter, ein Beteiligter ohne Maske fragte: "Was würde Jesus heute sagen? Ziehen Sie die Maske an und gehen Sie sich impfen oder beten Sie und glauben Sie an Gott?"

Ein weißhaariger älterer Mann trägt statt einer FFP2-Maske einen schwarzen Maulkorb für Hunde

Polizeichef verweist auf das Gebot der Nächstenliebe

Darauf hatte Lebkücher – anscheinend ebenfalls in der Bibel bewandert – eine schlagfertige, christlich fundierte Antwort parat. Der Wormser Polizeichef erinnerte an eine Geschichte aus der Bibel, die kurz vor der Kreuzigung Jesu spielt. Als die römischen Besatzer zusammen mit dem Verräter Judas Jesus festnehmen wollten, schlug sein Jünger Petrus einem Soldaten mit dem Schwert das Ohr ab. Jesus heilte den Soldaten daraufhin wieder und wies Petrus an, das Schwert wegzustecken. "Weil er davon geprägt war, den Nächsten mehr zu lieben als sich selbst", erklärte Lebkücher und verwies damit auf das christliche Gebot der Nächstenliebe, das in der Bibel mehrfach vorkommt.

"Das ist das fundamentale Gebot und wenn wir uns alle daran halten, haben wir kein Problem", verabschiedete sich Lebkücher von der Gruppe, die mit einer solch bibelfesten Argumentation offenbar nicht gerechnet hatte. Die Szene war in einem Livestream der Maßnahmengegner auf Youtube zu sehen, ein User postete Lebküchers Diskussion mit den Christen auf Twitter. Dort bekam der Wormser Polizeichef viel Zuspruch für seinen Umgang mit den Demonstranten. Unter anderem verbreitete ZDF-Moderator Jan Böhmermann das Video.

Thomas Lebkücher selbst äußerte sich ebenfalls auf Twitter dazu: "Danke für die, sagen wir mal, unverhoffte 'Ehre'. Schön für den immensen Zuspruch, den ich für meine Kolleg:innen und mich erfahren konnte. Leider erreicht die Message nicht die, die sie nicht hören wollen, aber wir bleiben dran."

Quellen: Twitter / Youtube

epp

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