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Großbritannien: Wenn die feine englische Art fehlt

So ganz furchtbar beliebt sind sie nicht gerade, die Teutonen, um es mit englischem Understatement zu sagen. Und die große Mehrheit der Briten glaubt nicht, dass sich daran je etwas ändern wird. Als völlig unbestritten gilt auch: Deutsche haben keinen Humor.

Lange hatten sich die beiden Engländer Dick und Angie Emery auf ihre Sommerferien gefreut - und dann das: Ihr Hotel war voller Deutscher! "Urlaub in der Hölle" titelte die "Sun". Schon im Morgengrauen hätten die "Krauts" nach landesüblicher Manier die besten Liegestühle per Handtuch in Beschlag genommen. Abends gab es Blasmusik. Aber das Schlimmste: Viele Gäste sonnten sich nackt - "und das war nicht gerade ein schöner Anblick."

Nicht gerade ganz furchtbar beliebt

Ja, die Teutonen. So ganz furchtbar beliebt sind sie nicht, um es mit englischem Understatement zu sagen. Letzte Woche hat das noch eine Umfrage belegt. Und diese Woche ergab eine andere Umfrage, dass die große Mehrheit der Engländer nicht glaubt, dass sich daran je etwas ändern wird.

Als völlig unbestritten gilt: Deutsche haben keinen Humor. Groß war deshalb die Empörung, als eine wissenschaftliche Studie im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis kam, die Deutschen hätten von allen Völkern gerade den meisten Humor. Replik der Zeitung "Daily Star": Eine Fotomontage von Hitler mit Clownsnase.

Die Arroganz der Invasoren

Der "Sunday Times"-Kolumnist A.A. Gill ist nicht der einzige, der Deutschen eine "natürliche Arroganz" nachsagt. Was ihnen fehlt, ist einfach die feine englische Art. "Deutsche rempeln sich dauernd an", beobachtet Gill. "Vielleicht sind sie zu sehr an Invasionen gewöhnt." Und dann dieses komische Englisch, das sie sprechen: "Vot is going on vid Boris Becker's hair?" titelte letzte Woche der "Guardian" in Anspielung auf Frisur und Akzent des BBC-Gastkommentators.

Christoph Driessen / DPA
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