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Großbritannien: Zeitungen entschuldigen sich wegen Maddie

Die Eltern der verschwunden Madeleine sind während der beispiellosen Suche nach dem Mädchen ins Zwielicht geraten. Nun bitten zwei britische Zeitungen um Verzeihung. Die Blätter hatten angedeutet, das Ehepaar könne etwas mit dem Verschwinden zu tun haben.

Mit Anzeigen auf ihren Titelseiten und Entschädigungszahlungen haben sich zwei britische Zeitungen bei den Eltern des vermissten britischen Mädchens Madeleine McCann entschuldigt: "Wir sehen ein, dass eine Reihe von Artikeln in der Zeitung unterstellt haben, dass das Ehepaar den Tod seiner vermissten Tochter Madeleine verursacht und dann vertuscht hat", hieß es in der Anzeige des "Daily Express". "Wir räumen ein, dass es keinen Beweis gibt, der diese Theorie stützt, und dass Kate und Gerry keinerlei Schuld am Verschwinden ihrer Tochter haben."

Die Zeitung betonte in der Anzeige zudem, sie habe als Ausdruck des Bedauerns eine "beträchtliche Summe" in den Madeleine-Fonds einbezahlt und werde die Bemühungen zum Finden des Mädchens unterstützen. Eine ähnliche Stellungnahme erschien auf der Titelseite des "Daily Star".

Eine Sprecherin des Find-Madeleine-Fonds bestätigte die Entschädigungszahlungen. Sie betonte, dass alles Geld in den Fonds fließe. "Die Familie bekommt nichts", sagte sie. Die Höhe der Entschädigungszahlung nannte die Sprecherin nicht. Es soll sich jedoch um 550.000 Pfund (700.000 Euro) handeln.

Die Beschwerden der McCanns bezogen sich laut Beldom auf etwa hundert Artikel in den vier Zeitungen des Express-Verlags. Die Sprecherin kündigte eine Pressekonferenz an.

Trotz Medienkampagne fehlt von dem Kind jede Spur

Maddie war Anfang Mai vergangenen Jahres kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus der Ferienwohnung der Familie an der portugiesischen Algarveküste verschwunden, während die Eltern in einem nahegelegenen Restaurant zu Abend aßen. Trotz einer beispiellosen internationalen Medienkampagne fehlt von dem Kind jede Spur. Zwischenzeitlich gerieten die Eltern selbst in Verdacht, doch entschuldigten sich die portugiesischen Ermittler inzwischen bei den McCanns. Immer wieder gab es Berichte aus den verschiedendsten Ländern, in denen das kleine Mädchen mit den markanten Augen zwischenzeitlich aufgetaucht sein soll - doch erwiesen sie sich jedes Mal als Fehlanzeige.

Daily Express für eigenwillige Titelgeschichten bekannt

In einem BBC-Radiointerview erklärte Max Clifford, einer der bekanntesten Medien-Berater in Großbritannien, heute morgen: "Da waren Journalisten in Portugal, die keinerlei Beweise vorliegen hatten, aber von ihren Redaktionen zu Hause angewiesen wurden, große Geschichten zu schreiben. Und auf diese Weise wurden uns Gerüchte und kompletter Unsinn als Informationen verkauft. Die Anwälte der McCanns haben bei den vier betroffenen Zeitungen über 100 Beispiele von genau diesem Vorgehen gefunden - und das ist der Grund, warum der Daily Express und der Daily Star sowie deren Sonntagszeitungen, nach meinen Informationen, um die 650.000 Pfund (etwa 1.2 Millionen Euro) zahlen - noch bevor es überhaupt zu einem Prozess gekommen ist."

Beide britischen Zeitungen gehören der Verlagsgruppe Express Newspapers. Der "Daily Star" hat eine Auflage von 610.000, der "Daily Express" verkauft täglich 700.000 Exemplare. Beide Zeitungen haben zudem Sonntagsblätter, die ebenfalls zu hunderttausenden verkauft werden.

Vor allem der Daily Express ist in Großbritannien für seine oft eigenwilligen Titelgeschichten bekannt. So hat die Zeitung seit dem Tod von Diana selten eine Woche ins Land gehen lassen, ohne mit großen Schlagzeilen an die Prinzessin von Wales zu erinnern und gleichzeitig Fragen zu möglichen Mordtheorien aufzuwerfen. Der Daily Star berichtet vor allem über Neuigkeiten aus der Welt mehr oder minder berühmter Menschen, meist in Form von Gerüchten und illustriert mit Bildern von Paparazzi.

AFP/Cornelia Fuchs / AFP