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Im Reich der Grimaldis: Albtraum Monaco

Protz statt Glamour, ein Doppelmord nach Mafia-Art und eine Fürstin, deren Feinde womöglich im eigenen Palast sitzen: Kurz vor dem Formel-1-Grand-Prix zeigt sich Monaco als Hochglanzbild mit Rissen.

Die Klatschspalten beschäftigt zur Zeit wieder mal die Frage: Könnte Fürstin Charlène von Monaco schwanger sein? Immerhin hatte sie kürzlich einen Schwächeanfall erlitten, und da könnte doch etwas im Anmarsch sein ... Die Frage, wann Charlène dem Fürstentum endlich einen Thronfolger schenkt, wird seit der Hochzeit mit Fürst Albert vor etwas mehr als drei Jahren immer lauter gestellt. Und Charlène gerät dabei immer stärker unter Druck. Ihr Mann hat mit zwei unehelichen Kindern bereits bewiesen, dass er Kinder zeugen kann. Und so ruhen nun alle Blicke auf Charlène.

Der stern auf Recherche in Monaco: Wir treffen dabei auch den Bruder der Fürstin. "Das Baby", sagt Gareth Wittstock und verdreht die Augen, als wir ihn vor seinem Haus treffen. "Alle reden nur von dem Baby. Können Sie sich vorstellen, wie es meiner Schwester geht? Können Sie sich diesen Druck vorstellen, wenn einem die ganze Welt auf den Bauch schaut?"

Ungebührliches Verhalten unterstellt

Ihre Feinde sitzen womöglich im eigenen Palast. Vor einiger Zeit stellten Paparazzi Charlène auf der Karibikinsel St-Barth nach, wo sie sich vom Palastleben erholte. Ohne Albert, dafür in einem Lokal in Gesellschaft älterer Herren. Prompt unterstellte ihr die Klatschpresse ungebührliches Verhalten. "Die Fotos haben Charlène total fertiggemacht", sagt ihr Bruder Gareth dem stern. "Sie hat nur geheult. Und das Schlimmste ist: Die Information, wo sie Urlaub macht, muss doch aus dem Palast gekommen sein. Niemand sonst wusste davon. Keine Ahnung, warum man sie verraten hat. Vielleicht weil es ein paar Leuten nicht passt, dass Albert eine Südafrikanerin geheiratet hat."

Über seinen Schwager Albert sagt Gareth Wittstock: "Er ist ein lockerer Typ. Einer, mit dem man einfach so ein Bier trinken kann." Aber für Charlène ist der Fürst offenbar genug da. "Meine Schwester hat mich gebeten, dass ich herziehe, um ihr Rückendeckung zu geben", sagt Gareth. Also verließ er vergangenes Jahr Südafrika. Er ist Computerfachmann und bewohnt jetzt mit seiner Freundin ein kleines Haus mit Pool im Bergdorf La Turbie auf französischem Gebiet. Von Monaco aus erreicht man es nach etwa 20 Minuten über jene Serpentinen, auf denen 1982 Grace Kelly in ihrem Rover ums Leben kam.

Die wahren Machthaber und ein rätselhafter Mord

Knapp vor dem Formel-1-Grandprix will den Grimaldis die Kontrolle über die Medienberichterstattung nicht so recht gelingen. Denn noch mehr unliebsame Schlagzeilen bestimmen das Bild von Monaco: Ein Mord nach Mafia-Art hält das Fürstentum ebenfalls in Atem. Und dabei geht es um die mächtigste Familie in Monaco. Und das sind nicht die Grimaldis.

Die Machtverhältnisse im Fürstentum erklärt uns ein Insider so: "Die Grimaldis sind in Wahrheit nur Nummer zwei. Quasi die Verwalter. Am mächtigsten ist der Clan der Pastors." Begründer der Dynastie war ein ligurischer Steinmetz, der es zum Bauunternehmer brachte. Die Pastors kauften günstig Land auf, bis ihnen fast der halbe Staat gehörte. Inzwischen ist die Familie tief zerstritten, ihre Geschäftsstrukturen sind undurchsichtig. Anfang Mai streckte ein Unbekannter die 77-jährige Hélène Pastor und ihren Chauffeur auf einem Parkplatz in Nizza mit einer Pumpgun nieder. Der Chauffeur starb sofort, Hélène Pastor jetzt, am 20. Mai 2014, an den Folgen ihrer Schussverletzungen. In Monaco munkelt man, die italienische Mafia habe den Killer geschickt.

Das Vermögen der Pastors ist ein gut gehütetes Geheimnis

Wie groß das Vermögen der Pastors ist, gehört zu den bestgehüteten Geheimnissen Monacos. Bekannt ist nur, dass Gildo Pastor 1990 bei seinem Tod 500.000 Quadratmeter Wohnraum hinterließ. Die wären nach heutigen Maßstäben etliche Milliarden Euro wert. Die Grimaldis dagegen werden laut "Forbes"-Liste gerade mal auf 1,4 Milliarden geschätzt. Das Verhältnis zwischen den Pastors und der Fürstenfamilie gilt als delikat. Der kürzlich verstorbene Patriarch Michel Pastor pflegte Fragen zur monegassischen Politik nach einem tiefen Zug an seinem Zigarillo eher einsilbig zu beantworten: "Das wird der Fürst dann schon entscheiden."

Wie Albert über die Zukunft seines Fürstentums entscheiden wird ...

... ist Gegenstand vieler Spekulationen. Und einer ausführlichen Reportage - jetzt im neuen stern.

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