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Indien Familie kümmert sich 18 Monate lang um Leiche von 35-Jährigem – sie denken, er liegt im Koma

Eine Ärztin versorgt in einem Krankenhaus in Indien einen Covid-19-Patienten
Ein 35-Jähriger war in Indien im Krankenhaus an einer Lungenentzündung gestorben – seine Familie nahm die Leiche mit nach Hause und kümmerte sich 18 Monate lang um sie (Symbolbild)
© Fariha Farooqui / Getty Images
18 Monate lang hat eine Familie in Indien den Körper eines 35-jährigen nach einer Lungenentzündung gepflegt – obwohl der Mann daran gestorben war. Trotz Sterbeurkunde war die Familie der Überzeugung gewesen, er läge nur im Koma. 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de

Vimlesh arbeitete als Beamter bei der indischen Steuerbehörde in Ahmedabad. Im Zuge der zweiten Coronawelle in Indien erlitt der 35-Jährige eine beidseitige Lungenentzündung. Ärzte konnten nichts mehr für ihn tun, Vimlesh starb im Krankenhaus.

Doch der Körper des Mannes wurde nicht begraben oder eingeäschert. Als Vimleshs Leiche seiner Familie übergeben wurde, glaubten sie offenbar, dass der Verstorbene noch atmen würde. Sie nahmen seinen Körper mit nach Hause, um sich um ihn zu kümmern – und das, obwohl das Krankenhaus ihnen eine Sterbeurkunde überreicht hatte.

Polizei über Familie in Indien: "Sie waren überzeugt davon, dass er lebt"

In ihrem Zuhause in Kanpur bespritzten die Familienmitglieder die Leiche laut Angaben der Polizei jeden Morgen mit Wasser aus dem Fluss Ganges – Wasser, das sie für heilig hielten.

"Die Familie hat Sauerstofftanks besorgt und den Nachbarn gesagt, dass er im Koma liege und zuhause behandelt werde", sagte ein Sprecher der Polizei laut dem "Indian Express". "Sie waren überzeugt davon, dass er lebt und sich erholen wird."

Leiche wird eingeäschert – mit erheblicher Verspätung

Aufgefallen war das merkwürdige Vorgehen der Familie nur durch Zufall: Weil Vimlesh nicht mehr zur Arbeit erschien, erkundigte sich sein Arbeitgeber schließlich bei den Behörden nach ihm – und bekam die Antwort, dass dieser bereits vor eineinhalb Jahren gestorben sei.

"Immer wenn das Büro bei der Familie nachgefragt hatte, wo er sei, hatten sie geantwortet, dass er krank ist", so die Polizei.

Am vergangenen Freitag wurde die Leiche dann – mit erheblicher Verspätung – doch noch eingeäschert. Die Polizei sagt: "Seine Familie musste davon überzeugt werden, dass die Einäscherung richtig ist."

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