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Massenschlachtung in Australien: Scharfschützen töten tausende wilde Kamele

Tierschützer sind schockiert: Viele Kamele sind in der australischen Wüste von Scharfschützen erlegt worden, weil sie auf der Suche nach Wasser ein Dorf belagert hatten. Bereits rund 1500 Tiere wurden geschlachtet und die Jagd geht weiter.

Scharfschützen haben in der australischen Wüste tausende wilde Kamele erlegt, die auf der Suche nach Wasser in ein abgelegenes Dorf eingefallen waren. Etwa die Hälfte von 3000 Tieren sei bereits abgeschossen worden, teilten die Behörden des Northern Territory mit. Die umstrittene Jagd sollte am Wochenende fortgesetzt werden.

Tierschützer und Fleischproduzenten kritisierten die als "Notschlachtung" deklarierte Maßnahme. Bilder von der Massentötung gibt es nicht. Die Behörden haben das Filmen des Blutvergießens verboten.

Im November war eine Herde von etwa 6000 Tieren in die 350 Einwohner zählende Aborigine-Siedlung Docker River, etwa 670 Kilometer südwestlich von Alice Springs eingefallen. Auf ihrer verzweifelten Suche nach Wasser drangen die Kamele in Häuser ein, öffneten Wasserhähne, zerstörten Leitungen, machten sich über die Ablaufrinnen der Klimaanlagen her und legten den Flughafen lahm. "Die Menschen sind Gefangene in ihren eigenen Häusern. Wenn Kinder auf die Straße gehen, laufen sie Gefahr, zertrampelt zu werden", sagte Landrat David Ross dem Fernsehsender ABC.

Kadaver verrotten in der Wüste

Um sie zu erlegen, treiben Hubschrauber die Tiere etwa 15 Kilometer aus dem Dorf. "Dann werden sie in den Kopf, ins Herz und in die Lunge geschossen", sagte ein Behördensprecher von Macdonnell Shire der in Darwin erscheinenden Zeitung "Northern Territory News". Die Kadaver bleiben in der Wüste liegen und verrotten.

Die Massenschlachtung hat nicht nur Tierschützer auf den Plan gerufen, die Touristen sogar zum Boykott Australiens aufforderten. Auch Fleischproduzenten äußerten ihren Unmut und bezeichneten die Aktion als Verschwendung. Kamelfleisch als Nahrungsmittel verabscheuen die meisten Australier. Jährlich werden etwa 25.000 Schlachttiere von "Down Under" in den Nahen Osten exportiert.

Population verdoppelt sich alle sieben Jahre

Australien ist besser bekannt für seine Kängurus oder Koalas, doch leben im Innern des Landes auch mehr als eine Million Kamele. Sie sind Nachfahren der gezähmten Lasttiere, die vor mehr als 150 Jahren nach Australien eingeführt wurden. Jahrzehntelang wurden sie eingesetzt, um die weiten Steppen zu durchqueren. Mit der Erfindung des Autos kamen sie aus der Mode und wurden in die Wildnis entlassen. Sie vermehren sich rasant. Die Herde verdoppelt sich nach Schätzungen alle sieben Jahre.

Die australischen Kamele gelten als größte Herde der Welt. Die Bauern betrachten die Tiere als Pest, weil sie Felder zertrampeln und eine Konkurrenz auf der Suche nach dem wenigen Wasser sind. Die Regierung hat erst im Juli 14 Millionen Australische Dollar (8,6 Millionen Euro) bereitgestellt, um die Herde von Scharfschützen verkleinern zu lassen.

DPA / DPA
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