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M. Winnemuth: Um es kurz zu machen: Hilfe beim Hochbeet: Ist teurer Rat gut?

Gemüseanbau: Ein bisschen Holz, ein paar Tüten Samen – fertig ist das Hochbeet. So hatte ich mir das jedenfalls gedacht – bis der Fachmann kam.

Hilfe beim Gemüseanbau: Ist teurer Rat immer sinnvoll?

Ich habe keinen Schimmer vom Gemüseanbau, nicht den geringsten. Habe ich noch nie gemacht. Aber Ahnungslosigkeit hat mich noch nie gestoppt

Soeben habe ich einen hohen vierstelligen Riesenbatzen Kohle gespart, indem ich mich für einen winzigen Moment geweigert habe, deutsch zu sein.

Die Sache ist die: Ich will einen Gemüsegarten anlegen. Ich will mir Hochbeete aus gebrauchten Europalettenrahmen bauen, 120 mal 80, günstig für neun Euro das Stück im übernächsten Dorf geschossen, ich habe genug für neun Beete. Und dann Zeug rein: Kohlrabi Superschmelz, Radieschen, Borlotti-Bohnen, Zuckererbsen, Radicchio Treviso, Fenchel, Mairübchen, Palmkohl, Topinambur. Alles, bloß keine Zucchini. Ich hasse Zucchini. Fast so sehr wie Auberginen. Aber ich schweife ab.

Von Gemüseanbau keinen Schimmer

Ich muss vorausschicken: Ich habe keinen Schimmer vom Gemüseanbau, nicht den geringsten. Habe ich noch nie gemacht. Aber Ahnungslosigkeit hat mich noch nie gestoppt, Ahnungslosigkeit ist mein Treibstoff, und wenn es nicht klappt: Der nächste Supermarkt ist sieben Kilometer entfernt.

Trotzdem holt man sich in Situationen wie dieser ja gern Rat. Der Fachmann kam, ein wirklich guter Fachmann, netter Typ, preisgekrönt für seine Entwürfe, mit besten Empfehlungen. Der Fachmann guckte sich alles an, betrachtete sorgenvoll die Maulwurfshügel auf meinem Rasen, ließ mich sabbeln. Ich erklärte den Plan, der plötzlich in Anwesenheit des Fachmanns kein guter Plan mehr zu sein schien. Ich wurde immer leiser.

Der Fachmann hob an zu sprechen. Man müsse was gegen die Kaninchen machen, ich brauchte einen Zaun um die Hochbeete herum, 90 Zentimeter hoch, ferner müsse man was gegen die Maulwürfe machen, Rasen abschälen, zehn Zentimeter auskoffern, alles nach unten sichern mit Rasenschutzgewebe, darauf Doppelstabmatten, schwere Ausführung!, ferner die Beete mit 30 Zentimeter breiten, in die Erde versenkten Stahlbändern seitlich gegen die unausweichlichen Maulwurfattacken schützen.

Ich nickte ergeben. Wenn er das sagt. Er ist der Fachmann. Und überhaupt: Keine Schludrigkeiten jetzt, das rächt sich nur später. Wenn man es nicht richtig macht, kann man es gleich lassen. Was man halt so denkt, wenn man in diesem Land sozialisiert wurde. Es ist kein Zufall, dass die deutscheste aller Marken, Mercedes-Benz, mit dem Slogan "Das Beste oder nichts" wirbt. Ganz oder gar nicht, deutsche Wertarbeit, was anderes können wir nicht, dürfen wir nicht, das steht so im Grundgesetz. Eine Woche später kam der Kostenvoranschlag. Er war knapp unter dem des BER. Schlagartig hörte ich auf, deutsch zu sein.

Auch in einer Bulthaup-Küche brennt die Milch an

Vielleicht ist es auch nur das Alter. Ich habe gelernt, nicht mehr in Maximallösungen zu denken, die machen nur unglücklich. Zwischen dem Besten und nichts ist jede Menge Platz für Improvisiertes, Zwischenlösungen, beherztes Pfuschen. Manchmal wird erst beim Gehen kleiner Schritte klar, dass man die ganze Zeit auf dem Holzweg war. Und vor allem: Wozu immerfort Maximallösungen für dieses in der Regel doch eher mittelmäßige Leben, das man sich täglich zusammenstümpert? Auch in einer Bulthaup-Küche brennt einem die Milch an, und im Mercedes steht man im selben Stau wie alle anderen.

Ich werde in den nächsten Monaten viel auf die Nase fallen, ich werde verzweifeln und fluchen und wiederholt an den Fachmann denken, weil der eben doch recht gehabt haben wird, und werde nicht im Mindesten bedauern, mich gegen seinen guten Rat entschieden zu haben. Es muss nicht gelingen, im Gegenteil: Ich will's ja erst lernen. Und wenn dann gegen alle Wahrscheinlichkeit doch ein Mairübchen oder eine Porreestange überlebt und am Ende gar essbar ist: Das wäre die maximale Freude.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.