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Nepals Kinder auf Stuhlgang-Streife: "Wir können kacken, wo wir wollen"

In vielen Teilen Nepals gibt es kaum Toiletten. Die Regierung will den Menschen trotzdem abgewöhnen, ihre Notdurft im Freien zu verrichten. Aber die Umstellung fällt vielen schwer.

Kampagne für's Klo. Chitlang jüngste Einwohner sorgen für fäkalienfreie Straßen. Nachteil der neuen Aborte: Dann und wann muss die Keramik geputzt werden.

Kampagne für's Klo. Chitlang jüngste Einwohner sorgen für fäkalienfreie Straßen. Nachteil der neuen Aborte: Dann und wann muss die Keramik geputzt werden.

Pramala Balami war jeden Morgen im Dorf Chitlang mit ihrer Trillerpfeife unterwegs. Zusammen mit einer Gruppe anderer Kinder war die 14-jährige Nepalesin auf Ausschau nach Dorfbewohnern, die sich im Freien erleichtern. "Wir bliesen die Trillerpfeife, wenn wir jemanden sahen, der im Freien sein Geschäft verrichtete", erzählt die Schülerin.

Die Kinder von Chitlang in Zentralnepal haben sich im vergangenen Jahr an einer Kampagne der Lokalregierung beteiligt - in der Region sollte es keinen öffentlichen Stuhlgang mehr geben. Der Erfolg hielt sich zunächst in Grenzen, die Trillerpfeife war nicht Abschreckung genug: "Später mussten wir die Leute mit Slogans bloßstellen. Sie hörten nicht auf, auch wenn wir sie mehrmals dabei erwischt hatten", erinnert sich Pramala.

Der Himmel über ihren Köpfen

Die Kinder begannen, gelbe Fähnchen mit den Namen der Missetäter an den Orten des Geschehens aufzustellen. Ihre Aufgabe sei nicht einfach gewesen, sagt Pramala. Kinder hätten kein Recht, Erwachsenen Vorschriften zu machen, empörten sich manche der Ertappten. "Einige drohten uns mit Schlägen", berichtet die Schülerin. "Sie sagten: "Wir essen nicht euer Essen, also können wir kacken, wo wir wollen"."

Mit Hilfe lokaler Vereine und Organisationen will die Regierung nun die Bevölkerung über die negativen Auswirkungen ihrer Notdurft-Gewohnheiten aufklären. Doch es war schwierig, gegen die Traditionen anzukommen, sagt Student Rajan Balami. "Die Leute sagten, sie fühlten sich wohl, dabei den Himmel oder den Wald zu sehen, und sie könnten einfach nicht in diesen kleinen, geschlossenen Räumen." Viele wollten auch dafür bezahlt werden, ihre Toiletten zu bauen, sie sahen keinen Vorteil für sich.

Idylle, in der es manchmal etwas strenger riecht: das Dorf Chitlang in Zentralnepal

Idylle, in der es manchmal etwas strenger riecht: das Dorf Chitlang in Zentralnepal

Dorftoiletten als Lagerräume missbraucht

Früher ließ die Regierung Dorftoiletten errichten, doch wurden diese oft zweckentfremdet. "Sie wurden als Lagerhäuser verwendet, und wir hörten, dass sie als Küchen oder Klassenzimmer genutzt wurden", sagt der Aktivist Bharat Thulung von Plan Nepal. Die Organisation unterstützt die WC-Kampagne der Regierung.

Es sei besser, die Menschen vom Nutzen der Toiletten zu überzeugen, erklärt Kamal Kar von der indischen Stiftung CLTS, die sanitäre Einrichtungen in Gemeinden fördert. "Wir essen die Scheiße anderer", sagt er. "Wir werden davon krank und sterben." Und das sei nur ein Teil der Probleme: "Frauen werden sexuell belästigt, wenn sie ins Gebüsch gehen, es gibt Spanner und Angriffe von wilden Tieren."

Noch gewöhnungsbedürftig: Eine Einwohnerin von Chitlang verlässt ein Toilettenhaus

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Angst vor Sex-Attacken

Der Aktivist Rajal Dahal erzählt, wie Mitarbeiter Fäkalien mit Stöcken zermatschten, um den Menschen zu zeigen, wie eklig es sei, wenn etwa Fliegen vom Kot zu ihrem Essen flogen. Es sei ein schwieriger Prozess gewesen, aber im Juli konnte Chitlang mit seinen etwas über 1150 Haushalten frei von öffentlicher Defäkation erklärt werden.

"Ich habe keine Angst mehr", sagt Maiya Magar. Die Mutter zweier Kinder fürchtete sich immer, wenn sie im Freien aufs Klo gehen musste. Wie viele Familien im Dorf hat auch ihre seit letztem Jahr ihre eigene Toilette.

Verbesserte Hygiene zeigt Wirkung

In der Vergangenheit gingen Kinder auch in der Schule nicht aufs Klo. Daheim gab es auch keine, sie wussten damit nichts anzufangen. Nun putzen die Kleinen fleißig die Schultoilette. "Heute sind wir dran", sagt der fünfjährige Prashant Lama. Sein Freund hilft ihm, den Eimer zu füllen.

"Wir hatten im Sommer keine Toten durch Diarrhöe oder Typhus", sagt die Sozialarbeiterin Shyama Basnet. Sogar Touristen werden von dem sauberen Dorf angezogen. Bis 2017 sollen die Straßen aller Dörfer im Land Fäkalien-frei sein. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Bislang ist das nur für etwa ein Drittel der mehr als 3900 Dörfer der Fall.

Pratibha Tuladhar, DPA / DPA
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