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Polizeieinsatz im Wedding Berliner Prügel-Opfer außer Lebensgefahr

Die Aufnahmen schockieren: In Berlin schießen Beamte auf einen Mann, der mit Beil und Messern unterwegs ist. Als er am Boden liegt, treten und prügeln die Polizisten auf ihn ein.

Dank einer Notoperation hat ein Mann in Berlin mehrere Schüsse aus Polizeiwaffen am Wochenende überlebt. Der 50-Jährige schwebte am Montag nicht mehr in Lebensgefahr. Der Mann konnte bislang aber nicht befragt werden, weil er nach einer Notoperation - unter anderem wegen eines Bauchschusses - noch nicht ansprechbar war, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Mann hatte am Samstag im Stadtteil Wedding Beamte mit dem Beil und Messern attackiert. Erst nach mehreren Schüssen wurde er überwältigt.

Der Einsatz steht wegen des rüden Vorgehens der Beamten in der Kritik. Politiker stellten die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen in Frage. Auf einem Handyfilm eines Passanten ist zu sehen, wie ein Polizist den am Boden liegenden Mann von hinten ins Genick tritt. Zudem wurden Pfefferspray, Schlagstöcke und ein Polizeihund eingesetzt. Wie immer bei Schüssen von Beamten untersucht nun eine Mordkommission den Fall. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bewaffnet durch den Wedding

Warum der 50-Jährige bewaffnet durch den Wedding lief, ist noch unklar. Hinweise auf eine geistige Störung lägen derzeit nicht vor, hieß es bei Ermittlern. Offen ist auch noch, ob der Mann unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand.

Erst im August 2011 hatte ein Polizist in Berlin-Reinickendorf eine psychisch kranke Frau erschossen, weil sie mit einem Messer auf einen Kollegen losgegangen war. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, weil der Mann in Nothilfe gehandelt habe.

Aufsehen erregte 2008 der Fall eines Berliner Polizisten, der zu Silvester im brandenburgischen Schönfließ einen Kleinkriminellen erschossen hatte. Der Mann wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Polizisten standen damals in der Kritik, aus "Korpsgeist" gelogen zu haben, um ihren Kollegen zu decken.

85 Einsätzte mit Schusswaffengebrauch im Jahr 2012

Im vergangenen Jahr schossen Polizeibeamte bundesweit insgesamt 85 Mal auf der Jagd nach Verbrechern. Nach einer Erhebung der Deutschen Hochschule der Polizei im westfälischen Münster waren davon 49 Warnschüsse, 36 Mal gaben die Polizisten gezielte Schüsse ab. Dabei wurden sechs Menschen getötet und 15 verletzt.

kng/DPA DPA

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