Postzustellung Per Lore durchs Eis


Für die Bewohner der nordfriesischen Hallig Nordstrandischmoor bedeutet Weihnachten in erster Linie Arbeitsbelastung. Besonders für die Postzusteller, falls die Eisverhältnisse es zulassen.

Ein kalter Wind fegt über das vereiste Watt. Dick eingepackt sitzen Ruth Hartwig und ihr Sohn Nommen auf der Lore, die sie und den auf dem Festland gekauften Weihnachtsbaum auf die Hallig Nordstrandischmoor bringt. Langsam tuckert das mit einem Dieselmotor getriebene Fahrzeug über den Schienendamm durch die arktisch anmutende Landschaft: «Heut’ ist zwei Hosen-Wetter», kommentiert Ruth Hartwig die beißende Kälte, die die Weihnachtsvorbereitungen auf der Hallig nicht immer zum Vergnügen werden lässt.

"Richtig was zu schleppen"


«Im Sommer ist das natürlich schöner», meint die 39-Jährige, die zusammen mit ihrem Mann Hans-Hermann, ihrer Mutter und vier Kindern auf der Hallig wohnt. Das gilt vor allem auch für Halligbewohner, für die Weihnachten in erster Linie Arbeitsbelastung bedeutet, zum Beispiel die Postzusteller auf den nordfriesischen Halligen. «Im Moment gibt es richtig was zu schleppen», sagt Hans-Friedrich - genannt Fiede - Nissen von Langeness (Kreis Nordfriesland). Mit der Lorenbahn nach Langeness und seinem Schiff bringt er Postsendungen auf «seine» Hallig sowie zu Postkunden nach Oland und Gröde, falls die Eisverhältnisse dies zulassen.

Weil jeder Einkaufsbummel für Halligbewohner mindestens eine Tagesreise erfordert, wird hier mehr als anderswo im Versandhandel bestellt, erklärt der Postschiffer. Langeness und Oland sind dabei kaum je ein Problem: Sie sind mit einem Lorendamm mit dem Festland verbunden, und derzeit «ist einfach die Lore viel voller als sonst», erzählt Nissen. Schwieriger kann sich im Winter die Überfahrt nach Gröde gestalten. Wenn, wie in der zweiten Dezemberwoche, starker Frost und Ostwind zusammenkommen, muss das Postschiff im Langenesser Hafen bleiben - und die 19 Gröder manchmal tagelang auf Zeitungen, Briefe und Päckchen warten. Nissen: «Aber die kennen das nicht anders.»

Auch die 18 Einwohner von Nordstrandischmoor bekommen im Winter ihre Post nicht täglich, sondern drei Mal die Woche. Auf der Hallig, auf der auch die Hartwigs zu Hause sind, erledigen Karin und August Glienke den Job mit der Lore. Postzustellung auf Norddstrandischmoor ist familiäre Teamarbeit: August Glienke holt Postsäcke und Kisten vom Festland, Ehefrau Karin übernimmt zu Fuß oder per Fahrrad die Verteilung.

Zehn zusätzliche Pakete pro Woche


Schon allein durch die Tageszeitungen ist da auch an «normalen» Tagen eine ganze Menge zu transportieren. Jetzt, vor Weihnachten, sind nach August Glienkes Angaben zehn zusätzliche Pakete pro Woche keine Seltenheit. «Ist doch klar», sagt der Halligbewohner, der selbst drei Söhne, Frau und Mutter zu beschenken hat: «Wenn man eine große Familie hat, kommt ganz schön was zusammen.»

Heike Wells und Hans-Jürgen Ehlers DPA

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