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Fall in den USA: Mit 14 wird sie entführt, eingesperrt, über Monate vergewaltigt - nun erzählt sie ihre Geschichte

2013 verschwindet ein 14-jähriges Mädchen in New Hampshire. Monatelang fehlt von ihr jede Spur. Was sie durchmachen muss, ist unfassbar. Heute spricht sie über ihre Leidenszeit.

"Ich weiß noch, dass ich in den Himmel geschaut und laut gelacht habe vor Freude, endlich frei zu sein", beschreibt Abby Hernandez den Moment, als ihre neunmonatige Leidenszeit endete. Neun Monate, die die damals 14-Jährige weitestgehend eingesperrt in einem Schiffscontainer verbringt. Fast täglich vergewaltigt ihr Peiniger sie, foltert das junge Mädchen mit Elektroschocks. Doch sie macht das einzige, was man in so einer Situation machen kann, um zu überleben: Sie erarbeitet sich das Vertrauen ihres Entführers, so dass er das Mädchen schließlich freilässt. Mehr als vier Jahre danach spricht die heute 19-Jährige beim Sender ABC News erstmals öffentlich über ihr ihre Zeit in den Fängen des Entführers.

"Even when you feel like you've lost everything, hope is something that nobody can take away from you." In this...

Gepostet von ABC 20/20 am Sonntag, 9. September 2018

Am 9. Oktober 2013 verschwand Abby Hernandez spurlos auf dem Heimweg von ihrer Schule. Familie, Freunde und Polizei rätselten monatelang: Ist das Mädchen absichtlich von Zuhause abgehauen? Wurde sie entführt? Hatte sie einen Unfall? Kaum einer ahnte wohl, welch abscheuliche Tat Hernandez tatsächlich widerfahren war. Ein 34-jähriger Mann hatte das Mädchen unter vorgehaltener Waffe im Auto auf dessen rund 50 Kilometer entferntes Anwesen verschleppt. Dort sperrte er sie in einen ausrangierten Container, vergewaltigte sie fast täglich.

Um sie ruhig zu stellen, erzählte er ihr unter anderem, dass er die Tür präpariert habe, und der Raum Feuer fangen würde, wenn sie zu fliehen versuche. Damit sie nicht um Hilfe schreie, habe der Mann ihr ein elektronisches Schockhalsband angelegt, wie man es für Hunde verwendet, damit sie nicht bellen. "Dann sagte er, versuch zu schreien. Ich wurde langsam lauter und bekam einen Stromschlag. Er sagte: Jetzt weißt du, wie sich das anfühlt", berichtet die junge Frau. Mit einem Elektroschocker habe er sie auch direkt gefoltert. "Das waren die schlimmsten Schmerzen, die ich jemals aushalten musste", sagt sie.

Abby Hernandez: "Ich wollte nicht, dass Gott mich verlässt"

Hernandez berichtet in dem Interview, wie sie sich trotz der Tortur niemals aufgegeben habe. Mit Gebeten habe sie ihre Hoffnung am Leben gehalten. "Ich habe niemals Amen gesagt und meine Gebete beendet, weil ich nicht wollte, dass Gott mich verlässt", sagt sie.

Sie habe in den Monaten nach und nach das Vertrauen ihres Peinigers gewonnen. "Ich dachte von Anfang an: Okay, ich muss mit dem Kerl arbeiten." Sie beschreibt, wie ihr Überlebensinstinkt sie dazu gebracht habe, "einfach alles mitzumachen, was er wollte". Sie habe ihm sogar dabei geholfen, Geld in seinem Keller zu fälschen. 

Letztlich waren diese kriminellen Aktivitäten ihre Rettung. Eine Bekannte hatte ihren Entführer bei der angeschwärzt, nachdem sie mit von ihm gefälschten Dollarscheinen erwischt worden war. Aus Angst vor einer drohenden Hausdurchsuchung habe er sich entschieden, das Mädchen zurück in ihren Heimatort zu fahren und dort auszusetzen. Sie habe ihm versprochen, ihn nicht zu verraten.

Ihr Peiniger muss lange ins Gefängnis

Weil sie während ihrer Gefangenschaft durch Zufall seinen Namen erfahren hatte, konnte sie ihn kurz darauf bei der Polizei anzeigen. Eine Woche nach ihrer Freilassung im Juli 2014 wurde der Mann festgenommen und anschließend zu 45 bis 90 Jahren Gefängnis verurteilt.

Hernandez hat nach eigenen Angaben zurück in ein normales Leben gefunden und will anderen Opfern von traumatischen Erlebnissen Mut machen. "Man darf einfach nicht die Hoffnung verlieren", sagt sie. "Auch wenn es sich anfühlt, als hättest du alles verloren. Hoffnung kann dir keiner nehmen. Klammere dich an sie, dann stehst du das durch."

Ein ehemaliger FBI-Profiler, der heute als Analyst für arbeitet, lobt das Verhalten von Hernandez ausdrücklich. "Wenn ich einen Ratgeber schreiben würde, wie man sich als Opfer einer Entführung verhalten sollte, wäre das erste Kapitel über Abby", sagt er. "Es geht immer darum, eine Beziehung zu dem Bösewicht aufzubauen."

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fin
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