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Aschaffenburg: Angestellte klaut drei Millionen Euro in Rucksack – wo das Geld ist, hat sie vergessen

Ganz schön dreist: Eine 54-jährige Geldzählerin soll in Aschaffenburg drei Millionen Euro Bargeld aus einem Tresor entwendet haben – in einem neongelben Sportrucksack. Von der Beute fehlt jede Spur. Jetzt hat der Prozess gegen die Frau begonnen.

Geldtresor mit geöffneter Tür

Geldzählerin Mira O. soll stolze drei Millionen Euro Bargeld geklaut haben – mit einem gelben Sportrucksack (Symbolbild)

Getty Images

Es ist ein unglaublicher Fall. Unglaublich gleich auf mehreren Ebenen. Einerseits wegen der Dreistigkeit, mit der die 54-jährige Diebin vorgegangen ist. Andererseits wegen der geringen Hürden, die sie bei ihrer Tat zu überwinden hatte. Mira O., 54 Jahre alt und seit 2011 Geldzählerin bei einer Aschaffenburger Sicherheitsfirma, hat das geschafft, worüber sich Meisterdiebe wohl jahrelang den Kopf zerbrechen: Sie hat fast drei Millionen Euro Bargeld entwendet – aus einem Tresor in einem Gebäude ihres Arbeitgebers. Am Landgericht Aschaffenburg hat jetzt der Prozess gegen Mira O. begonnen.

Aschaffenburg: Mira O. klaut 2,9 Millionen Euro in einem Rucksack

Die Firma, in der Mira O. als Geldzählerin arbeitet, versorgt unter anderem große Bankhäuser mit Bargeld für Geldautomaten. Bekannte deutsche Geldhäuser zählen zu den Kunden. Das wusste die 54-jährige Angeklagte sehr genau. Sie wusste, dass in den Tresorräumen der Firma Geldscheine mit Wert in Millionenhöhe lagern. Am 10. März 2018 überkommt Mira O. dann ihre kriminelle Energie. Um sechs Uhr morgens kommt sie ins Büro und entwendet einer Kollegin aus einer unverschlossenen Schublade ihres Schreibtisches einen Schlüssel. So steht es in der Anklageschrift der Aschaffenburger Staatsanwaltschaft, die dem stern vorliegt.

Von dem Diebesgut fehlt bis heute jede Spur

Mit dem geklauten Schlüssel verschafft sich die Frau gegen zehn Uhr Zugang zu Geldkassetten in einem der Tresorräume der Sicherheitsfirma. Unbemerkt entwendet sie insgesamt knapp 2,9 Millionen Euro – da es sich um Geld für Bankautomaten handelte, vermutlich nicht nur in großen Scheinen. Sie lagert die große Menge Bargeld zunächst unter ihrem Arbeitstisch und füllt die sie anschließend in einen gelben Sportrucksack um. Gegen zwölf Uhr ist ihre Schicht zu Ende. Ohne jegliche Kontrollen verlässt Mira O. das Gelände der Sicherheitsfirma. Auf ihrem Rücken: drei Millionen Euro Bargeld. Was anschließend mit dem Geld passiert, wirft weiterhin Rätsel auf. Bis heute fehlt von dem Diebesgut jede Spur. Die Polizei fahndet seit Ende März mit Hochdruck und mit Fotos nach dem gelben Rucksack eines bekannten deutschen Sportartikelherstellers.

Mira O. stellt sich der Polizei

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende und spart auch danach nicht an Kuriositäten. Wie die Bild-Zeitung berichtet hat sich Mira O. am nächsten Tag der Polizei gestellt. Vor Gericht erklärte Die mutmaßliche Diebin, dass sie "herumgeirrt" sei und sich morgens entschlossen habe, zur Polizei zu gehen. Dort soll sie erklärt haben, dass sie ihrem Arbeitgeber Geld entwendet hat. Und was macht der diensthabende Polizist? Er macht nur einen internen Vermerk, schickt die Frau wieder weg und rät ihr, sich einen Rechtsbeistand zu holen. So berichtet es die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Kriminalhauptkommissar Michael S. Kurz darauf stellt auch die Firma fest, dass große Summen an Bargeld fehlen. Eine Großfahndung wird eingeleitet, Mira O. verhaftet. Wo das Diebesgut sei, könne sie nicht mehr sagen. Sie selbst soll angegeben haben, dass sie sich in einem "psychischen Ausnahmezustand" befinde. 

Ärztin bescheinigt "retrograde Amnesie"

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, bescheinigt eine Ärztin ihr später eine sogenannte "retrograde Amnesie" – eine Gedächtnislücke, bei der Personen nicht mehr in der Lage sind, sich an bestimmte Ereignisse zu erinnern. Auf Nachfrage des stern bestätigte Simon Schultheiß, Pressesprecher des Landgerichts Aschaffenburg, den Bericht der "Bild"-Zeitung. Mira O. droht trotzdem eine langjährige Haftstrafe.

Quellen: Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg (Aktenzeichen: 108 Js 2890/18) / Pressestelle Landgericht Aschaffenburg / Polizei Unterfranken / "Bild"-Zeitung

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hh