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Mecklenburg-Vorpommern Polizeibeamte nutzten dienstliche Informationen, um Minderjährige zu belästigen

Mehrmals sollen deutsche Polizisten ihren Dienst für private Zwecke missbraucht haben
Mehrmals sollen deutsche Polizisten ihren Dienst für private Zwecke missbraucht haben (Symbolbild)
© Sebastian Gollnow / Picture Alliance
Freund und Helfer? Leider nicht immer: In Mecklenburg-Vorpommern nutzten zwei Polizeibeamte berufliche Kontakte, um eine 13-Jährige und eine 15-Jährige sexuell zu belästigen. Beide Mädchen hatten sich zuvor hilfesuchend an die Polizei gewandt.

Die Polizei, dein Freund und Helfer. So sagt man das gern, besonders Kindern. So wünscht man sich das. Polizisten sollen die Beschützer der Schwachen sein, die Verteidiger der Gerechtigkeit, die Verfolger von Gewalttätern. Man sollte ihnen vertrauen können. Schon kleinen Kindern bringen wir bei, dass sie sich in Notlagen an die Beamten in Uniform wenden können. Kaum etwas ist schändlicher, als dieses Vertrauen zu missbrauchen. Zwei Beamten wird aber gerade genau das vorgeworfen.

Polizisten sollte man eigentlich vertrauen können

Beide Beamten sollen laut dem Bericht des Landesbeauftragten für Datenschutz für das Jahr 2018 aus Mecklenburg-Vorpommern stammen, beide sollen unabhängig voneinander ihren Beruf ausgenutzt haben, um minderjährige Mädchen zu kontaktieren. Mädchen, die sich hilfesuchend an die Polizei gewandt hatten. Der Datenschutzbeauftragte Heinz Müller sprach von "unerfreulichen Fällen", nannte die Grenzüberschreitungen "unwürdige Taten".

In einem Fall war eine 15-Jährige betroffen, deren Ex-Partner gegen ihren Willen intime Fotos von ihr öffentlich gemacht hatte. Nach dem Besuch auf der Wache erhielt das Mädchen eine SMS des Polizisten – er bot ihr darin ein gemeinsames "Fotoshooting" an. Unfassbar, findet auch der  Datenschutzbeauftragte: "Besonders gravierend ist dabei, dass diese Jugendliche sexuell freizügig in Erscheinung getreten und psychisch instabil gewesen ist", so Müller. "Sie hatte sich mit der Bitte um Hilfe an die Polizei gewandt. Im Ergebnis war sie aber erneuten Avancen ausgesetzt."

In einem zweiten Fall soll sich ein weiterer Beamter während eines Verfahrens wegen Kindesmissbrauch, in dem eine 13-Jährige als Zeugin aussagte, deren Nummer beschafft haben – mit der Begründung, man bräuchte diese für eventuelle Nachfragen. Nach der Verhandlung kontaktierte er sie dann über Whatsapp und machte ihr dort "sexuelle Avancen".

Keiner der Beamten wurde aus dem Dienst entlassen

Ähnlich schockierend wie das Vorhandensein dieser beiden Fälle ist die Konsequenz, die sich für die beschuldigten Polizisten daraus ergab. Nämlich keine. Keiner von beiden wurde vom Dienst suspendiert, keiner wurde verurteilt. Beide Beamte musste bisher lediglich Geldstrafen und Bußgelder zahlen. "Solche Taten sind ganz besonders für Polizeibeamte unwürdig", sagte der mecklenburg-vorpommersche Ministeriumssprecher Michael Teich. "Es steht außer Frage, dass die Polizistinnen und Polizisten dieses Fehlverhalten in ihren Reihen natürlich nicht wollen. Für eine Entfernung aus dem Dienst reichen die Vergehen juristisch aber nicht, werden aber selbstverständlich konsequent disziplinarisch verfolgt."

wt

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