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Teenager in London erstochen: Polizei beschuldigt zwölf Jugendliche des Mordes

Sofyen Belamouadden starb vergangenen Donnerstag - erstochen mitten in der Rush-Hour in der Londoner Victoria Station. Jetzt hat die Polizei zwölf Teenager als die mutmaßlichen Mörder des 15-Jährigen indentifiziert.

Nach der tödlichen Hetzjagd auf einen Teenager an einer Londoner U-Bahn-Station hat die Polizei am Montag zwölf Jugendliche des Mordes beschuldigt. Die Bande hatte sich am Donnerstagabend unter den Augen Dutzender Pendler am Bahnhof Victoria auf den 15-jährigen Sofyen Belamouadden gestürzt und ihn mit zahlreichen Messerstichen getötet. Einige der Täter trugen Schuluniformen. Die acht 17-Jährigen und vier 16-Jährigen sollten im Laufe des Montags vor einem Jugendgericht erscheinen. Sieben weitere Verdächtige im Alter von 15 bis 17 Jahren wurden auf Kaution freigelassen.

Nur zwei Tage nach dem brutalen Verbrechen im Nordosten Londons kam es am Samstag zu einem ähnlichen Verbrechen: In den frühen Morgenstunden wurde ein 17-Jähriger im Stadtteil Hackney von mindestens vier Angreifern überfallen und getötet. Der Teenager starb noch am Tatort. Zwei seiner Begleiter erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Nachbarn erzählten, in der Gegend, in der es viele Sozialwohnungen gibt, hätten verschiedene Gangs "Revierkämpfe" ausgetragen. "Es war klar, dass sowas passieren musste", sagte ein Anwohner. "Es war schon immer eine harte Gegend."

Seit Jahresbeginn fünf Teenager ermordet

Laut Polizei gibt es keine Hinweise, dass die beiden aktuellen Taten zusammenhängen. Bei den Menschen in der britischen Hauptstadt machen sich nach den erneuten Messerstechereien wieder Ängste vor brutalen Jugendgangs breit. Seit Jahresbeginn wurden fünf Teenager in London ermordet. In vielen Stadtteilen kämpfen seit langem rivalisierende Banden gegeneinander, allerdings war die Zahl der Morde 2009 stark zurückgegangen. Vergangenes Jahr wurden 14 Jugendliche umgebracht - die meisten davon erstochen - im Jahr davor waren es fast 30.

Auch der 15-jährige Belamouadden musste sein Leben offenbar lassen, weil sich zwei Schulgangs bekriegen. Die zwölf beschuldigten Teenager kommen laut Polizei alle aus derselben Gegend in Süd-London. Belamouadden stammt aus dem Westen der Stadt. Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass der Kampf im Bahnhof Victoria - einem der wichtigsten im Zentrum von London - im Voraus geplant war. Die oder der Täter hatten neben dem Ticketschalter mehrmals auf Belamouaddens Oberkörper eingestochen. Warum gerade er als Opfer ausgesucht wurde, ist noch unklar.

mad/DPA/APN / DPA
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