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Zeitungsbericht Neu-Delhi verbietet Uber nach Vergewaltigung


Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Frau durch einen Uber-Fahrer in Neu-Delhi darf der Taxi-Dienst dort nicht mehr operieren. Die Polizei erhebt schwere Vorwürfe gegen Uber.

Der rasant wachsende Fahrdienst Uber darf seinen über das Internet offerierten Service einem Zeitungsbericht zufolge nicht mehr in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi anbieten. Zuvor war bekannt geworden, dass eine junge Frau von einem Uber-Fahrer vergewaltigt worden sein soll. Das Verbot sei wegen des Verhaltens des Fahrers verhängt worden und gelte ab sofort, berichtete die "Hindustan Times" am Montag. Sie berief sich auf eine Erklärung des Verkehrsministeriums.

Der beschuldigte Fahrer wurde festgenommen und sollte noch am Montag einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Angaben der Polizei hat der 32-jährige Mann sein Opfer nach der Tat nach Hause gefahren und ihr gedroht, falls sie sich an die Polizei wende. Ihr sei es aber gelungen, die Nummer des Fahrers zu notieren und ein Foto des Autos zu machen.

Der Fahrer des Taxi-Vermittlers saß schon einmal wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs im Gefängnis. Das polizeiliche Führungszeugnis sei vor seiner Registrierung als Uber-Fahrer nicht überprüft worden, sagte ein Polizeisprecher in Neu Delhi am Montag. Uber führe diese Hintergrundchecks in der indischen Hauptstadt nie durch. Uber-Firmenchef Travis Kalanick gab dagegen dem indischen System eine Mitschuld: Für eine gewerbliche Fahrer-Lizenz gebe es in Indien solche Checks nicht, schrieb er in einem Blogeintrag.

Mann war schon 2011 über Frau hergefallen

Der Mann soll schon 2011 in seinem Taxi in Neu Delhi über eine Frau hergefallen sein, sagte Mathur Verma, Polizeichef des Nord-Distrikts der Hauptstadt Neu Delhi. Deswegen habe er sieben Monate lang in Untersuchungshaft gesessen. "Er wurde freigelassen, aber ich weiß noch nicht, aus welchem Grund", sagte Verma. Nach Informationen des indischen Nachrichtensenders NDTV gab es einen außergerichtlichen Vergleich. "Hätte Uber das Strafregister überprüft, hätten sie herausgefunden, dass der Mann vorbestraft war", sagte Polizeichef Verma weiter.

Der 32 Jahre alte Familienvater wird verdächtigt, am Freitag erneut eine Frau in seinem Auto vergewaltigt zu haben. Medizinische Tests hätten einen sexuellen Übergriff bestätigt. Die 27 Jahre alte Mitarbeiterin eines Finanzunternehmens erzählte der Polizei, der Mann habe ihr gedroht, sie mit einer Eisenstange zu foltern.

Debatte erneut angefacht

Die Tat hat die Debatte über Gewalt gegen Frauen in Indien erneut angefacht. Die Antikorruptionspartei AAP protestierte nach Angaben der indischen Agentur IANS vor dem Haus des Innenministers Rajnath Singh. Sie forderten den Minister demnach auf, strenger mit dem Taxi-Vermittler Uber umzugehen. Mindestens 100 Demonstranten seien festgenommen worden.

Nach Angaben des Polizeichefs Verma sind in Neu Delhi Sicherheitschecks für Fahrer von Bus- und Taxiunternehmen verpflichtend - also für Unternehmen, die Fahrer anstellen, und sie nicht wie Uber nur vermitteln. "Uber führt solche Checks nie durch. Wenn sie das nun behaupten, ist es falsch." Uber hatte in einem Blogeintrag geschrieben, das Unternehmen arbeite nur mit registrierten und versicherten Fahrern zusammen. Über GPS werde zudem ständig ihr Aufenthaltsort übermittelt.

Fehlende staatliche Kontrolle

Uber-Chef Kalanick bemängelt die fehlende staatliche Kontrolle: "Wir werden mit der Regierung zusammenarbeiten, um klare Hintergrundchecks für gewerbliche Transportlizenzen zu etablieren, die derzeit noch fehlen." Das Unternehmen werde helfen, damit mit Hilfe von Technologie das Land für Frauen sicherer gemacht werden könne. "Wir werden alles tun, ich wiederhole: alles tun, um diesen Täter zur Rechenschaft zu ziehen."

In Deutschland müssten die Fahrer des Unternehmens ein einwandfreies Führungszeugnis vorlegen, sagte ein Uber-Sprecher in München. Außerdem werde hierzulande der Punktestand in Flensburg abgefragt sowie Kopien des Personalausweises und des Führerscheins hinterlegt.

Gericht verbietet UberPop in den Niederlanden

Ein Gericht hat unterdessen den Taxidienst UberPop in den Niederlanden verboten. Die Wirtschaftskammer gab am Montag in Den Haag der Aufsichtsbehörde recht. Der Dienst über eine Smartphone-App verstoße gegen das niederländische Taxigesetz, erklärten die Richter. Mit UberPop finden Privatpersonen Kunden, um sie gegen Geld in ihrem eigenen Auto zu chauffieren. Das ist nach Auffassung der Richter illegal, da die Fahrer nicht über eine Lizenz verfügten. Das Verbot gilt nicht für den Taxidienst Uber, bei dem die Fahrer eine Lizenz haben.

Auch in Deutschland beschäftigt der Streit zwischen Uber und der Taxibranche regelmäßig die Gerichte. In Hamburg und Berlin sind die Vermittlungsdienste von Uber verboten. Zwischenzeitlich versuchte Uber, mit einer radikalen Preissenkung den Dienst zur Mitfahrzentrale und somit legal zu machen. Übersteigt der Fahrpreis nicht die Betriebshaltung des Fahrzeugs, fällt die Dienstleistung nicht mehr unter das Personenbeförderungsgesetz.

fin/DPA/Reuters DPA Reuters

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