VG-Wort Pixel

US-"Kill-Team"-Anführer Lebenslange Haft für "Wilden aus Afghanistan"

Aus purer Mordlust sollen fünf US-Soldaten im vergangenen Jahr drei Afghanen ermordet und deren Finger als Trophäen abgeschnitten haben. Jetzt wurde der Anführer des sogenannten Kill-Teams von einem Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt.

Schuldig in allen 15 Anklagepunkten: Ein US-Soldat ist wegen besonders brutaler Morde an drei Afghanen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Wie der US-Fernsehsender CNN in der Nacht zum Freitag weiter berichtete, hat Calvin G. jedoch die Chance auf Haftentlassung nach zehn Jahren. Darauf hatten seine Verteidiger gedrängt, während die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung gefordert hatte. Die Haft muss G. in einem Militärgefängnis verbüßen. Er habe bereits 547 Tage in Haft zugebracht. Diese Zeit werde auf die Strafe angerechnet, hieß es bei CNN.

Gi. stand als Rädelsführer einer fünfköpfigen Gruppe vor Gericht, die laut Anklage 2010 die unbewaffneten Zivilisten aus purer Mordlust mit Gewehren und Granaten umgebracht haben soll. Danach waren den Opfern Finger abgeschnitten worden, um sie als "Trophäen" zu behalten.

"Der Wilde" auf der Anklagebank

In den Schlussbemerkungen vor der Urteilsverkündung hatte Militärstaatsanwalt Dre LeBlanc den Angeklagten mit den Worten angesprochen, mit denen der Unteroffizier seine afghanischen Opfer bezeichnet haben soll. "Hier ist der Wilde", sagte LeBlanc und zeigte auf G. "Unteroffizier Gi. ist der Wilde.

In den Ermittlungen waren grausige Details ans Licht gekommen, die Soldaten behielten demnach Finger und Zähne ihrer Opfer als Trophäen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte im März Fotos veröffentlicht, auf denen zwei der Angeklagten neben Leichen posieren.

Am Mittwoch hatte Militärstaatsanwalt Robert Stelle die Behauptung Gs zurückgewiesen, sein Team habe die Afghanen getötet, nachdem es von ihnen angegriffen worden sei. G. soll demnach Waffen bei den getöteten Afghanen abgelegt haben, um einen Angriff vorzutäuschen. Er habe seine Einheit und letztlich die USA verraten, sagte Stelle. Gs Verteidigung hatte versucht, die Glaubwürdigkeit der anderen Soldaten der Gruppe in Zweifel zu ziehen, die gegen ihn aussagten. Vor der Urteilsverkündung appellierte Anwalt Phil Stackhouse dann, auch an Gs Ehefrau und seinen Sohn zu denken.

Schnelle Entscheidung der Jury

G., der ranghöchste der von US-Medien als "Kill Team" bezeichneten Gruppe, musste sich vor dem Militärgericht auf dem Stützpunkt Lews-McChord im US-Staat Washington verantworten. Die Jury fällte ihren Schuldspruch nach nur vierstündigen Beratungen, wie CNN und andere US-Medien berichteten.

Die Morde hatten sich zwischen Januar und Mai 2010 in der Provinz Kandahar ereignet, wo G. (26) und die vier Mitangeklagten als Infanteristen eingesetzt waren. G. hatte den Medienberichten zufolge im Prozess angegeben, dass er lediglich einen der drei Afghanen getötet habe - und dies aus reiner Notwehr. Er gab demnach aber zu, den Toten Finger abgeschnitten und sie behalten zu haben, um sie befreundeten Soldaten zu schenken oder missliebige Kameraden damit einzuschüchtern.

G. ist der bisherige einzige der Gruppe, der sich einem Militärprozess stellte. Drei der Mitangeklagten bekannten sich im Gegenzug für Strafmilderungen schuldig, zwei von ihnen sagten gegen G. aus. Das Verfahren gegen den fünften mutmaßlichen Mittäter steht noch aus.

Der Fall hatte dem Ansehen der US-Armee erheblich geschadet, ähnlich wie die 2004 aufgedeckte Misshandlung von Gefangenen durch US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib während des Irak-Kriegs.


Mehr zum Thema



Newsticker