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Vermisstenanzeige auf Facebook: Online-Wutanfall bringt gestohlenes Fahrrad zurück

Claudius Holler sparte lange für sein geliebtes Fahrrad, dann wurde es ihm vor seinem Büro in Hamburg geklaut. Empört veröffentlichte er eine Vermisstenanzeige im Internet - mit gewaltigem Erfolg.

Die Liebe von Claudius Holler zu seinem Fahrrad ist wahrlich eine besondere. Lange hatte der Werber aus Hamburg für sein brandneues Zweirad, ein Nachbau eines 80er Jahre-BMX als Singlespeed, gespart und es an nichts fehlen lassen: Minimalistischer silberner Alurahmen, Eingang-Antrieb, schicke Felgen und Mäntel in leuchtendem Metallic-Blau - alles eigens für ihn angepasst. Doch eines Tages kommt er aus seinem Büro in Hamburg-Eppendorf und sein Liebling ist weg. Einfach geklaut.

Holler ist entsetzt. Und beschließt, mit einem ungewöhnlichen Aufruf sein Fahrrad zurückzuholen. Auf Facebook schreibt er eine Art Vermisstenanzeige und persönlichen Brief, inklusive genauer Beschreibung und Foto. Am Ende wird es ein kleiner Online-Wutanfall.

"Ich bin SO sauer"

"Sehr geehrter Zocker", beginnt Holler, "mit deinem Diebstahl hast du wirklich Geschmack bewiesen und mir meinen Fahrradtraum genommen. Ich habe lange dafür gearbeitet, um mir den Wunsch zu erfüllen, mir erstmals in meinem Leben ein brandneues und individuell angepasstes Bike zu kaufen." Das Fahrrad habe ihm endlich erlaubt, sein Auto abzumelden und trotzdem auf U-Bahn und Busse des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) zu verzichten. "Du Arsch klaust es mir direkt vor meinem hellerleuchteten Bürofenster in Hamburg Eppendorf am hellichten Tag. Das ist kackenfrech. Ich bin SO sauer, ich schreibe sogar einen Facebookroman, weil du mir massiv die Laune verhagelst."

Wütend verflucht Holler den Dieb: "Ich wünsche dir, dass dir jedes zukünftige Smartphone aus der Hand direkt auf den Asphalt fällt, du in jede HVV-Kontrolle gerätst, dir bei jedem ersten Date den Kaffee über die Hose schüttest und du bei deinem nächsten Vorstellungsgespräch laut furzen musst. ICH WILL MEIN BIKE ZURÜCK."

"Wie dreist bist du eigentlich?", empört sich Holler, "und wie doof?". Das Rad sei so auffällig, dass niemand damit entspannt durch die Gegend fahren könne. Kulant bietet er dem Dieb an, das "weltbeste Fahrrad" gegen ein Bier zurückzubringen und die Sache zu vergessen. Und verspricht ahnend, dass das nicht unbedingt eintreten wird, dem Finder eine Belohnung von 250 Euro, "lebenslange Dankbarkeit" und einen Kasten der Wachmachbrause "Leetmate", die er selbst miterfunden hat.

Wut-Aufruf wird über 13.000 Mal geteilt.

Ob es an den ehrlichen Gefühlen für den verlorenen Schatz liegt oder an seinem Händchen für Kampagnen als Werber - der leidenschaftliche Aufruf verbreitet sich rasend schnell über Facebook: Mehr als 4000 Nutzern gefällt die Online-Botschaft, über 13.000 teilen sie auf ihrem persönlichen Profil. Und sein Fahrrad ist tatsächlich so auffällig, dass sich bald ein Finder meldet. Vier Monate nach dem Diebstahl schreibt er Holler eine Nachricht. Er habe ein Fahrrad auf einem Flohmarkt gekauft und sicher gehen wollen, dass es kein gestohlenes war. Also habe er den Modellnamen mit dem Zusatz "geklaut" gegoogelt - und sei prompt auf Hollers Wut-Aufruf gestoßen. Der Finder - selbst ein leidenschaftlicher Mountainbiker - erkennt die Ähnlichkeit zu dem vermisst gemeldeten Fahrrad. Es kommt zur Übergabe gegen Finderlohn und einen Kasten "Leetmate".

Holler kann sein Glück kaum fassen. Auf einem am Sonntag auf Facebook veröffentlichten Bild liegt er jubelnd am Boden, die Arme weit ausgebreitet. "Mein silberblauer Traum aus Alu war weg. Bis vor einer Stunde. Jetzt bin ich so glücklich, dass ich erstmal einen dicken Eisbecher auf dem Fahrrad sitzend verschlang und ein eiskaltes Bierchen meinen Gaumen beperlte und ich grinse immer noch dümmlich durch die Gegend", schreibt er in der Danksagung darunter. "ALLES IST WIEDER GUT!!"

Nur vor einer Sache hat der Werber jetzt ein bisschen Angst: Dass irgendjemand ihn in Hamburg auf dem Fahrrad sieht, sich an den Facebook-Aufruf erinnert und ihn für den Dieb hält. "'Ne Keilerei als Belohnung für mein zurückgekehrtes Bike wäre doch zu viel des Guten". Bisher kam Holler glimpflich davon.

AS
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