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Hamburger Tankerunglück: Zeitpunkt der Bergung ungewiss

Nach dem Schiffsunglück im Hamburger Hafen ist die erste gefährliche Aktion an dem gekenterten Schwefelsäure-Tanker ohne Zwischenfälle geglückt. Wann das Schiff gehoben wird, bleibt offen.

Taucher haben am Donnerstag die Untersuchung des im Hamburger Hafen gekenterten Schwefelsäure-Tankers fortgesetzt. Dazu musste die Lage das kieloben liegenden Wracks von einem Kran leicht verändert werden, sagte Feuerwehrsprecher Peter Braun. Da das Manöver als gefährlich eingestuft wurde, sperrte die Polizei den Bereich von 07.30 Uhr bis 09.00 Uhr im Umkreis von 1000 Metern. Beschäftigte nahe gelegener Betriebe mussten ihre Arbeitsplätze verlassen. Am Donnerstagmittag war noch ungewiss, wann die Schwefelsäure abgepumpt und das Schiff gehoben wird.

An Bord des Doppelhüllen-Tankschiffes "ENA 2" befanden sich zum Zeitpunkt der Kollision mit einem Containerschiff am Montag rund 960 Tonnen hoch konzentrierte Schwefelsäure. Experten gehen davon aus, dass eine geringe Menge der Säure über die Entlüftungsanlage ausgetreten ist. "Die Berger werden auf Grund der Erkenntnisse weitere Schritte vorschlagen", sagte Braun. "Man hat viele Unbekannte."

Abpump-Zeitpunkt noch völlig offen

Ein Problem entstünde, wenn die Konzentration der Schwefelsäure durch eindringendes Wasser unter 75 Prozent sinkt. Dann würde die Chemikalie Metall angreifen und könnte nicht in normale Tanks umgeladen werden. "Gummierte Kesselwagen wurden bestellt", sagte Braun. Am Vormittag war noch nicht entschieden, wie die 500.000 Liter Schwefelsäure abgepumpt werden sollen. Der einfachste Weg wäre, wenn die normalen Be- und Entladestutzen benutzt werden könnten. Der Zeitpunkt des Abpumpens sei aber noch völlig offen, betonte Braun.

Der Sprecher der Hamburger Umweltbehörde, Volker Dumann, sagte dagegen, "an eine Bergung ist noch nicht zu denken", und meinte damit das eigentliche Heben des Schiffes. Selbst wenn es zum Bruch eines oder mehrerer Tanks komme und sich hunderte Tonnen Schwefelsäure in das Hafenbecken ergießen sollten, rechnet Dumann nach eigenen Angaben nur mit begrenzten Auswirkungen auf das Ökosystem. Der Wasserdurchfluss der Elbe betrage in Hamburg einschließlich der Gezeitenströmung mehre tausend Kubikmeter pro Sekunde. Es würde ein sehr starker Verdünnungseffekt eintreten. Kurz nach dem Unglück war es zu einem lokalen Fischsterben im Petroleumhafen gekommen.

Ermittlungen gegen betrunkenen Kapitän

Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte der Kapitän der "ENA 2" laut Staatsanwaltschaft einen Blutalkoholwert von 2,1 Promille. Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger sagte: "Wir ermitteln wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs und Gewässerverunreinigung." Bei einer Verurteilung drohe eine Geld- oder Haftstrafe.

DPA / DPA